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Ich bin nur scheintot von
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Die Visionen des Märchendichters Eine faszinierende Performance |
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Freie Volksbühne - Berliner Festspiele Musiktheater nach Texten von Hans Christian Andersen Konzept und Regie: Kirsten Dehlhorn, Musik: Manos Tsangaris, Elektronische Realisation: Simon Stockhausen,Visuelle Dramaturgie: Ralf Richard Ströbech, Bühne: Maja Ravn, Richard Ströbech, Kirsten Dehlhorn,Kostüme und Frisuren: Maja Ravn, Maske: Helena v. bergen, Licht: Jesper Kongshaug, Sound: Anders Jörgensen, Dramaturgie: Claus Lynge Hotel pro Forma in Koproduktion mit dem Dänischen Nationalchor und dem Schauspiel Köln
Ich bin nur scheintot - warnte Hans Christian Andersen auf kleinen Zettelchen seine möglichen Besucher, falls die ihn am Morgen noch schlafend vorfanden. Es mag auch eine Art schwarzen Humors in ihm gesteckt haben; wer weiß. Sicher jedenfalls ist, dass der große Dichter eine sehr differenzierte Persönlichkeit war. Leider kommt in dieser Performance nur die düstere Seite seines Wesens zum Ausdruck. Das große, moderne Museum in Odense hat seinen Lebensweg aber in allen Facetten bis ins letzte verfügbare Detail aufbereitet: der Weg dorthin lohnt sich. |
Es ist eine sehr aufregende Performance - eine Inszenierung zwischen Bewegung- und Ausdruckssprache und Gesang, die sich mit den Lebensängsten des dänischen Dichters und Schriftstellers Hans Christian Andersen beschäftigt. Wer bereits einige Stücke der Neuen Opernbühne Berlin sehen konnte, wird sich an deren phantastische und reichhaltige choreografische Ausformung erinnern. Dergleichen hat Kirchen Dehlhorn für dieses Werk im Auge gehabt: Eine lange Wand zieht sich mit Bildern aus dem reichen zeichnerischen Oevre Andersens schräg über die lang gezogene Bühne. Um diese Wand herum, mal sichtbar nur mit ihren weiß gekalkten Wuschelköpfen, dann wieder in ganzen bizarren Kostümen mit allerlei grotesken Apercus, bewegt sich der 14 Sänger umfassende Chor immer sehr langsam, sehr bedächtig, den Zeitablauf gleichsam zermahlend, über die lange Wegesstrecke. Die Musik Stockhausens wechselt zwischen elektronischer Schärfe und dunklen Vokaltönen, die an die gregorianischen Gesänge anklingen und damit an die religiöse Strenge des evangelischen Dänemarks zur Zeit Andersens gemahnen: Eine moralische und religiöse Härte und Disziplin, die die Menschen seelisch und geistig lange Zeit nach der Reformation knebelte, und von der sie sich erst befreien konnten - dann aber gründlich - nachdem sich die Aufklärung der deutschen und dänischen Philosophen ihren Weg auch durch die gesellschaftliche Blockade gebahnt hatte. Der Chor ist weiß gekleidet und weiß geschminkt, fremd, grotesk, stammt aus dem Reich der Fantasie, ist doch immer irgendwie unheimlich, beängstigend. Andersen bewegt sich inmitten der Chorsänger, gleichsam zwischen seinen Träumen, Tag- und Nachtvisionen, seinen lichten und dunklen Gestalten. Mit seiner Hypochondrie, Putzsucht und ständigen Todesangst, sowie mit der lebenslangen Sorge als armes Kind in höheren Kreisen nicht anerkannt zu werden, mit seiner Angst vor Frauen, die er sich immer so auswählte, dass sie für ihn unerreichbar blieben: Hans Christian Andersen, klein, schmal, verletzlich, von der Tänzerin Ninna Steen anrührend, aber auch erschreckend dargestellt: Mit einer maskenhaften, eher sogar fratzenhaften Visage, die von Zeit zu Zeit einen stummen, schrecklichen Schrei ausstößt, lässt sie uns an dem Entsetzen der Visionen und Obsessionen teilhaben, die Andersen von Zeit zu Zeit wohl aufs Heftigste überfielen, und die er in seinen Tagebüchern aufbewahrte. Mit einem überschweren breitschultrigen Mantel schleppt sich der lonesome boy seinen langen Lebensweg entlang, immer wieder verharrend, in sich hinein horchend, ein Kind, ein Künstler, suchend nach der Erlösung, nach dem Glück, eins mit sich zu sein, befreit zu werden von allen inneren Selbstzweifeln. Die psychodelischen Ton- und Klangfolgen, die eine eigenartige Verbindung zwischen Poesie und schöpferischer Kraft ausdrücken, dirigiert Manos Tsangaris am Pult mit nervig, mit exakten Rhythmen und wechselnden Tempi, so dass des Dichters Seele immer wieder lichtdurchflutet wird dank seiner dramatischen und schriftstellerischen Sensititvät. Wobei nicht vergessen werden darf, zu erwähnen, dass Andersen Zeit seines Lebens stets mächtige Gönner und Freunde gefunden hat, die sein Genie erkannten und nicht müde wurden, es zu fördern. A.C.
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