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Il Pianto d'Orfeo Oper und Tanz
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Die Klage des Orpheus
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Eine Produktion der Lautten Compagney in Kooperation mit dem Radialsystem V, unterstützt von Sasha Waltz & Guests mit: Kobie van Rensburg,
Regie, Dramaturgie, Video, Tenor (Orfeo)
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Die poetischen Texte von Vergil und Ovid, von grünlichen Laserstrahlen an den Gazevorhang projeziiert, hinter dem die Musiker der Lautten Compagnie die qualvolle Suche des verzweifelten Orpheus nach seiner Eurydike mit einem Pasticcio - der Zusammenfügung verschiedener Kompositionen zu einem Thema - einfühlsam begleiten, rühren noch immer ans Herz der Menschheit. Im Radialsystem, das in einem aufwendig restaurierten alten Fabrikgebäude an der Spree residiert, die hier dunkel und schwarz wie der Fluss Styx vorbeifließt, der das Reich der Lebenden von dem der Toten trennt - in diesem mehrstöckigen Gebäude befindet sich nun seit gut einem Jahr eine neue Stätte der Kunst. Sie funktioniert als eine GmbH, die sich selbst und ihre Gründerin, die mittlerweile weltweit beachtete Tanzchoreographin Sasha Waltz (einst Partnerin an der Schaubühne), in ein weit gefasstes künstlerisches Programm einbindet. Eigene und fremde Produktionen in vielerlei musikalischen und tänzerischen Variationen geben sich hier die Klinke in die Hand, respektive bereiten einander den Tanzboden, der genügend Entfaltung für freie und neue Kreationen gibt. Wir wollen in erster Linie innovativ sein, sagt Bettina Schuseil, Pressereferentin im bisher zwölf Mitarbeiter umfassenden Organisationsteam. Das Radialsystem hat jetzt - nach einem Jahr - eine glückliche Bilanz ziehen können; das Programm geht auf, die Besucher bilden mittlerweile schon beinahe eine Freundesgemeinde, aber es kommen auch stets immer wieder neue Gäste hinzu, die den Weg aus allen Stadtteilen Berlins nach Friedrichshain nicht scheuen, auch in der Gewissheit, hier in einer ungezwungenen Atmosphäre traditionelle Kunst mit neuen Herausforderungen verbunden zu sehen. Wie jetzt - sogar mit gut einwöchiger Laufzeit - eine fantastische Inszenierung des unsterblichen antiken Sagenguts von Orpheus, der seine geliebte Eurydike schon bald nach der Hochzeit verliert und sie - beinahe wahnsinnig vor Schmerz - aus dem Reich der Toten zurückholen will. In einer harmonischen Mixtur aus verschiedenen Kompositionen des Barock - hauptsächlich Monteverdi - und begleitendem Tanz des jungen, elegant werbenden Orpheus und seiner kleinen zarten Frau, die fern und fast wie ein überirdisches Wesen in der zarten Laurie Young erscheint. Später wird sie von schwarzen Tüchern verdeckt in der Unterwelt zum Schatten der Göttergeister und der mythischen Gestalten aus uralten Sagen... Der Sänger Orpheus, der mit seinem betörenden Gesang und seiner später zum Himmelsfirmament erhobenen Leier den strengen Wächter zum Totenreich einschläfert und die harten Herzen der Herrscher in der Unterwelt so sehr rührt, dass sie ihm seine Geliebte zurückgeben, wird von Kobie van Rensburg zu neuem Leben erweckt! Im Rückblick, als Kranker in der Pflegeanstalt, erinnert er sich in nicht zu heilendem Leid, an die Geliebte, wie er sie gewann und verlor, wie er sie zurückholte und von neuem im Reich der Toten zurücklassen musste. Sein sanfter, wohltönender, flehender, leidender, bittend tremolierender und auch energisch fordernder Tenor umfasst alle Skalen menschlicher Leidensfähigkeit, so dass nicht nur die Herrscher der Totenwelt, Proserpina und Pluto, sondern auch alle toten Giganten und Helden zu Tränen gerührt sind - und auch alle Lebenden, die an diesem Premierenabend alle Reihen der Tribünen füllen, erfahren die Ausstrahlung unvergänglicher Kunst. Mit sparsamsten Mitteln - einem schwarzen Tisch, zwei Stühlen, ein paar Papptellern (als Totenmasken!) und einer - allerdings leicht deplacierten Suppenschüssel! - sowie einer raffinierten Videotechnik wird der Ablauf der Handlung in Fluss gehalten, reihen sich die ins Deutsche übertragenen italienischen Texte wie Sternschnuppen aneinander, fallen die Tränen wie glitzernde Tropfen auf Thrakien, ziehen ihren Kreis und verfließen mit dem dunklen Erdreich. Orpheus, in unzähligen Sagen und Opern unsterblich geworden, wird seine Eurydike nicht zurückbringen ans Licht des Lebens; Aber indem er der Götter Warnung, sich nicht nach der Geliebten umzuschauen, während er sie aus dem Totenreich ans Licht führt, missachtet, beweist er sich als Sterblicher, als Mensch. Und man darf sicher sein, dass die Götter (und die weisen Dichter, die diese wunderbare Wahrheit der unsterblichen Liebe einst erkannten) dem Liebenden diese schwere Probe in der absoluten Gewissheit auferlegt haben, dass er sie nicht bestehen würde. Denn auch die stärkste Liebe wird den Tod nicht bezwingen, aber sie wird genährt durch ihren Verlust. Nur durch den schmerzlichen Verzicht kann sie ewig währen, abseits und jenseits aller irdischen Vergänglichkeit und Trivialität. Orpheus also muss als Mensch scheitern, damit seine Liebe weiterleben und er am Götter-Himmel seinen ewigen Platz erhalten kann. Das Orchester, voll klingend besetzt mit Violine, Viola da braccio, Viola da Gamba, Violine, Kontrabass, Cornetto, Percussion, Cembalo, Orgel, Harfe, Laute und Chitarrone verband - neben Monteverdi u.a. Kompositionen von Bartolomeo Tromboncino (Prolog und Brautwerbung), Lorenzo Allegri (Ouvertüre), Jacopo Peri (Brautwerbung), Tarquino Marula, Monteverdi (Hochzeitsvorbereitungen), Girolamo Frescobaldi (Tod Eurydikes), Mauriczio Cazzati (Orfeo in der Unterwelt), Marc Antoine Charpentier, Ludovico Grossi da Viadana (Wiedersehen mit Eurydike) unter der Leitung von Wolfgang Katschner.
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