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Il Trittico von Giacomo Puccini
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Drei Mann in einem Bett Ein Regieversuch von Katharina Wagner |
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Uraufführung
am 14.12.1918 in der Reihenfolge : Regieversuch
an der Deutschen Oper Berlin 2006 von Katharina Wagner Musikalische Leitung: u.a. mit: |
Nach den verbindenden Elementen dieser drei zum Triptychon zusammengefassten Operneinakter befragt, wusste das Regieteam um Katharina Wagner in einer sonntäglichen Vor-Matinee auch nicht so zu antworten. Die Inszenierung brachte es dann an den Tag: Eine einheitliche Bühnendekoration: Graue hohe Wände, die sich dezent sowohl für die Klostergebäude als auch für ein herrschaftliches Haus, weniger jedoch für ein Hafenmilieu eignen. Und Madonnen, mal eine Lebendige, dann als Puppen und zuletzt als moderne Skulptur. Ansonsten mag sich Puccini vielleicht gedacht haben, dass es in allen Stücken um zutiefst menschliche Gefühle, wie Liebe, Verzweiflung, Einsamkeit, Sehnsucht und Schlitzohrigkeit geht, und man sie daher getrost dem Publikum an einem Abend nacheinander servieren könne. Diese Begründung sollte eigentlich auch genügen. Was aber eigentlich viel mehr einleuchtet: Wie verschieden alle drei Geschichten auch sind, wie unterschiedlich ihre Protagonisten, wie vielfältig die Spielarten von Hingabe und Verweigerung, von List und Abenteuer - die Menschen müssen sich hier dem gesellschaftlichen und religiösen Diktum ihrer Zeit und deren Bedingungen anpassen! Suor Angelica Da ist zunächst - Wagner hat sie einfach an den Anfang des Abends gestellt - die Schwester Angelica, die zu einer Zeit, als Kirche und Verwandtschaft noch höchste Macht ausübten, nach "einem Fehltritt" ins Kloster gesteckt wurde. Seit sieben Jahren nun harrt sie dort auf Nachricht von ihrem geliebten Kind, in schwarzer Schwesterntracht trostlos auf dem großen kalten Bett hockend, während ihre Mitschwestern steif und streng Rituale ausführen, die schon ein wenig absurd wirken wie den Madonnenkult, den es so eigentlich seit dem Mittelalter in den Klöstern nicht mehr gab. In der grauen Abgeschiedenheit fehlt jede Lebendigkeit, jeder Ansatz von Lebensfreude, die den Gegensatz zu der leblos erstarrten Angelica gut herausbringen könnte; denn auch Nonnen gewinnen dem Leben ja durchaus auch fröhliche Seiten ab, wenn sie auch einfach und bescheiden sind. Kühl und kalt ist es also allenthalben. Dann erscheint in dem sterilen Krankenhaus-Bettensaal die Tante Angelicas, irgendwo stilistisch angedacht zwischen Dürrenmatts Alter Dame und Domina. Marina Prudenskaja (mit unheilvoll dunkel drohendem Alt!), führt zwei Männer mit Kampfhundmasken an der Leine. Sie werden später Angelica festhalten, damit sie den Verzicht auf ihr Erbe zugunsten der jüngeren Schwester unterschreibt, die jetzt Angelica einstigen Liebhaber (und Vater ihres illegitimen Kindes) heiraten wird. Welche Perfidie!. Die schreckliche Person also im roten Hosenanzug und mit blöder Perücke schneidet der armen Angelica zum Schluss noch symbolisch den Lebensfaden ab, als sie er erklärt, dass ihr Kind gestorben sei, bereits vor zwei Jahren. Welche Bösartigkeit! Da wendet sich sogar die lebendig gewordene Madonna oben auf der kleinen Empore erschüttert ab. Und als die zerstörte kleine Schwester mit ihrer beseligenden Abschiedsarie alle Steine zum Erweichen bringt, lässt die Madonna als Zeichen ihrer allumfassenden mütterlichen Liebe ein Tuch auf die unter ihr kauernde Angelica fallen. Damit scheint deren Freitod gesühnt, im Hintergrund treten bereits, hinter einem Vorhang wild beleuchtet, riesige kitschige Engel hervor, die ihr das Paradies verkünden. Und ein modern-bärtiger Heiland führt sie ab ins Jenseits-Off, aus dem sie wieder heraustritt und nun den Platz der Madonna einnimmt - mit Kind! Es ist fast Spott, beinahe Blasphemie, vor allem aber ein Rührstück, das einzig und heute allenfalls seine Berechtigung in der Darstellung nie endenwollender Mutterliebe finden könnte. Wirklich großartig sind jedoch dien wunderbar angelegten Gesangspartien der kleinen traurigen Schwester. Viel Beifall für Christina Gallardo-Domas, die Schmerz mit großem tragischen Sopran wieder erfahrbar und erfühlbar macht Gianni Schicchi Aus einem nur ihr bekannten Grund hat die Regisseurin dann den wunderbaren Schwank des Tryptichons, die beste Burleske nach Molièreschem Vorbild, so entleibt, das nur eine bunt zusammengewürfelte Verwandtensippe um ein hohes Sterbebett herum müde um das Erbe des Onkels feilscht. Jeder möchte die besten Stücke aus dem Kuchen herausgeschnitten haben: Die Mühle, das Haus und das Maultier... Der Onkel, der mittlerweile sein Leben angesichts dieser Bagage ausgehaucht hat, aber wusste wohl was er tat, indem er alles der Kirche vermachte. Oh, welch Weh und Klagen - wie schön könnte man diese Szene ausmalen, wie köstlich könnte man die Charaktere, die ja stimmlich bereits so angelegt sind, in ihrem spießig-gierigem Habitus herausputzen! Wie nahe kommt hier doch das Geschehen an die Comedia dell'arte heran. Hautnah! Nicht so bei Wagner! Kühl und dümmlich bleiben die Leute, einfach langweilig. Da kann sich das strahlende Orchester noch so mühen. Und als gar das berühmt-berüchtigte Schlitzohr Gianni Schicchi auftaucht, um die Sache in die Hand zu nehmen und nebenbei auch das junge Paar zu vereinen, entpuppt sich dieser als so langweilig-biederer Typ, das man ihm eher den Advokaten zutraut. Mit diesem nämlich steckt er zum Ende ziemlich einfältig unter einer Decke, samt des toten Onkels, den offensichtlich niemand bei dem faustdicken Betrug mehr wahrnimmt. Und als Schicchi schließlich - musikalisch umwerfend pfiffig angelegt - den Doktor und die Verwandten mit höchst komischer Verstellung hinters Licht führt, wird dieser Höhepunkt dramaturgisch einfach verschenkt: Der Doktor bleibt draußen vor der Tür, und Schicchi verstellt nur ein wenig seine Stimme, und schon ist der so offen sichtbare Betrug zu Gunsten des Betrügers perfekt. Die meuternde Familienbande wird mittels Pistolen schnell gezüchtigt und mit einer blauen Gipsmadonna zum Tor hinausgescheucht. Nicht einmal das patriotische "Firenze"-Lied kommt hier zur Geltung -das ist eine Untat mehr an Puccini! Man weiß nicht recht, ob Alberto Rinaldi als Schicchi nicht über größere darstellerische Fähigkeiten verfügen müßte. Dass die wunderbare Liebesarie seiner Tochter Lauretta niemanden besonders berührt, mag an dem schrecklich orangefarbenen Nickianzug liegen, den die wasserstoffblondierte Fionnuala McCarthy tragen muss; und ihr Typ von Lover ist auch nicht gerade gut drauf. Il Tabarro - Der Mantel Im dritten Teil folgt nun grundlos die an die letzte Stelle placierte Tragödie "Der Mantel". Hier macht das Wagner-Team, aber vor allem deren großartige Sänger, die vorherigen Fiasken wieder wett: Paolo Gavaelli als sehr sonorer-dominanter Ehemann Michele, Vincenzo La Scola als persönlichkeitsstarker Luigi und zwischen den Männern Chiara Taiga als die zu Herzen gehend verzweifelte Giorgetta. Man kann zwar auch hier darüber streiten, ob es der tragischen Liebesgeschichte angemessen ist, den Liebhaber wie ein Stehaufmännchen auf einer Matraze auf- und abspringen zu lassen. Aber wie fulminant ist dagegen die Klage des erschütterten und eifersüchtigen Ehemannes, im Vergleich zum flüchtigen Versprechen des Liebhabers. Und die Sehnsucht, die Verzweiflung um das verlorene Kind, das immer wieder über die Bühne huscht, könnte sicher auch choreografisch ( oder vielleicht per Video? ) intensiver eingebracht werden. Puccini schaffte einst ein musikalisch-psychologisches Kunstwerk , das jenseits aller zeitgebundenen Schauplätze (und Inszenierungsbemühungen) Bestandsschutz verdient, weil es tiefe Gefühle und tragische Verstrickungen in hochdramatische Form gießt. Nur der Komponist rettet die Deutsche Oper an diesem verstrickten Abend - und das hochkarätige Orchester der Deutschen Oper und ihre Chöre. A.C. |