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Kauf dir ein Kind
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Frech, frisch, fröhlich und frivol |
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Inszenierung: Peter Lund, Musikalische
Leitung: Hans-Peter Kirchberg/Tobias Bartholmeß;
mit:
Andreas Röder (Pino); Jeanette Claßen (Felicity), Juliane Dreyer
(Kristin); Sebastian Smiulders (Mark); Camilla Kallfas (Kitten);
Franciso del Solar (Fox);
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Thomas Zaufke hat ein flottes Musical mit tollen Beatrhythmen geschrieben, das Newa Howard in eine schwungvolle Choreographie umgesetzt hat, die einmal mehr beweist, wie viele Talente ein Musicalstar besitzen muss, um auf der Bühne bestehen zu können. Ein mitreißendes Orchesterteam versteht unter bewährter Leitung der Herren Kirchberg und Bartholmeß das Ensemble taktsicher zu lenken. Und Peter Lund ist es gelungen, ein schwieriges Thema so leicht und locker, so lebendig, witzig und gleichermaßen nachdenklich darzustellen, dass man nicht nur von einem Schock in den anderen fällt, sondern sogar seine Freude daran haben kann! Und obschon es im Nachklapp heißt, dass Ähnlichkeiten mit echten Personen oder Vorkommnissen ausgeschlossen seien, wird man doch die Vermutung nicht so ganz los, dass der Autor sehr wohl das Weltgeschehen und den Klatsch um die VIPS gespeichert hat... Aber man sollte sich dieses Spektakel selbst ansehen und dann seinen Assoziationen freien Lauf lassen; denn hier dreht sich - wie im richtigen Leben - alles um Liebe, Leid und Menschlichkeit. Da ist das Thema Kinder - die Einen haben welche, die Anderen nicht, für die Einen ist die Familie die wahre Freude, für die Anderen steht die Karriere im Vordergrund. Und überhaupt, darin sind sich wohl alle einig, Kinder aufzuziehen, das ist schon eine schwierige Angelegenheit. Aber da gibt es ja (gentechnisch in den USA seit vielen Jahren praktiziert) das Kind nach Maß, mit allen Eigenschaften, die man sich nur wünschen kann: freundlich, liebevoll, intelligent, hübsch und handlich - und einfach per Knopfdruck zu steuern. Das heißt: reparabel, kompatibel, je nach Bedarf. Das Glück von Kristin und Mark scheint vollkommen, als ihnen die geschäftstüchtige Felicity im Katalog das Kind ihrer Träume verkauft. Und dieser Pino ist ein wahrer Prachtkerl. Natürlich ist er auch mit Andreas Röder eine Starbesetzung, der, unberechenbar, wie der Kobold Pinocchio, mit großen dunklen Knopfaugen und artistischer Behändigkeit streng nach Computer-Vorgabe von den Erwachsenen einfordert, was ihm als Kind zusteht: Liebevolle Betreuung, ein harmonisches Familienleben, Fürsorge und Verständnis. Doch auch das alles gibt es, genau wie das ideale Kind, nur in der Software. Seine neue Mama, die Juliane Dreyer
als coole, überanstrengte und nervige Karrierefrau bestens karikiert,
sucht eigentlich gar kein Kind, sondern jemanden, der ihr Kraft und
Zärtlichkeit gibt. Doch das begreift sie erst, als sie am Ende allein
dasteht. Während der zarte Papa, völlig überfordert von seiner vitalen
Gattin, sexuelle Befriedigung im professionellen
Vergnügungsgewerbe sucht. Er könnte mit Sebastian Smulders nicht hilfloser als
der Typ des "neuen Haus-Mannes" gezeichnet werden. Als
Klasse-Paradenutte stiefelt Camilla Kallfaß kaltschnäuzig, doch mit
großem Herzen, jäh in die gute Stube dieser neuen Familiengründung und
bringt nicht nur die neurale Steuerung des kleinen Pino kräftig
durcheinander. Doch wer kann die Puppen bedienen, wenn der große Crash einsetzt? Und der findet leider jeweils statt, wenn die Anforderungen der echten Menschen an die Möglichkeiten der Computermenschen mit Moral und Gesetz nicht mehr übereinstimmen; Die Vorstellung, dass ein innerer Draht zu glühen beginnt und dem Geschehen jäh ein Ende setzt, wenn unser Handeln mit unseren moralischen Gesetzen nicht mehr kompatibel ist, zeigt eine geniale Variante für alle Bereiche der menschlichen Gemeinschaft auf. Allerdings können ja gute Techniker jeden Schaden in Ordnung bringen - es sei denn, die Liebe trägt den Sieg über alle Drähte und künstlichen Leitungen davon... Wie gewohnt, wieder eine Vielzahl bizarrer Gedankengänge, die Peter Lund in diesem Musical anbietet, und die er mit Witz und Furore gewürzt hat. A.C.
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