La Donna del Lago
 

 von
Gioacchino Rossini

 

 

"Solche Sitte ist bei uns nicht üblich"

 


Deutsche Oper Berlin

Melodrama in zwei Akten Libfretto von andrea Leone Tottoloa nach dem Roman "The Lady of the Lake" von Sir Walter Scott

Konzertante Aufführung

 

Musikalische Leitung: Alberto Zedda

Chöre: Hellwart Matthiesen

mit: Antonino Siragusa, Reinahrd Hagen, Gregory Kunde, Ruxandra Donose, Hadar Halévy, Andion Fernandez, Yosep Kang

 

 
„Solche Sitte ist bei uns nicht üblich“! Gemeint ist der Handkuss, mit dem der fremde Gast, den man in der Einöde des Hochlandes nicht so unbedingt als König von Schottland erkennt, der schönen Fremden für ihre Gastfreundschaft danken will. Man ist zu Zeiten der großen Clankämpfe um Unabhängigkeit und Freiheit in Schottland zwar gastfreundlich, aber recht robust und eher von wilder als von feiner Art. Weder Land und Leute noch Witterung und Einsamkeit sind dazu angetan, geselliges Getändel und höfische Umgangsformen zu kultivieren. Hier geht es rauh und offenherzig zu, und wer nicht Freund ist, ist Feind und daher Gegner und vielleicht nicht mehr lange am Leben.

Die Geschichte gleicht einer schönen Sage, wundert aber insofern als sich ein Italiener einer schottischen Legende bedient, um südliches Belcanto mit schottischer Lebens- und Liebesart zu verbinden; beiden gemeinsam jedoch ist zu jener Zeit mit Sicherheit die Liebe zur Heimat, und der Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit. Und die Sehnsucht, vor allem die schottische zum südlichen Land der Sonne und dem mediterranen Erbe einer hohen Kultur, ist geblieben: Bemerkbar macht sie sich wohl eher im Alltag dadurch, dass man in Schottland mittlerweile mehr "Latte macchiato" und Capuccino" trinkt als Whiskey, de ohnehin zu teuer geworden ist. Auch reist man gerne in den Süden, um Nebel und allerlei entzündlichen Erkältungsanfällen zu entgehen. Aber auch die Touristen aus dem Süden reisen ins Schottische Hochland, um an den düsteren Seen in die Welt der Mythen einzutauchen und die herbe Schönheit der Bergwelt zu bewundern oder die orchestrale Meeresbrandung unter kantigen Klippen zu erleben.

Doch im Bühnengehäuse der Deutschen Oper ist es warm und hell, und freundlich glänzen die gebeizten Buchenhölzer an den Wänden, elegant stehen Chor und Orchester im Blickfeld des Publikums, dass die Darbietung der Oper ohne Bühnenbrimborium, ärgerlich überfrachtete oder minimalistische Dekorationen und schwer verständliche inszenatorische Einfälle so recht mit dem Herzen genießen kann, zumal der Rossini-Altmeister Albert Zappa sich erfrischend munter und so strahlend präsentiert, dass sich seine Musiker zu höchsten Tempi antreiben lassen. Nur durch fixe Forcierung der Einsätze kann er an diesem Abend verhindert, das ein begeistertes Publikum mit seinem Beifall die Sätze immer wieder unterbricht und den Sängern zujubelt.

Die schöne Elena (Ruxandra Donose erscheint wie eine Fee aus fernen Tagen) wird in dem Märchen von Sir Walter Scott "The Lady of the Lake" gleich von drei Männern begehrt, liebt aber nur und inniglich den Rebellen Malcolm, der als Hosenrolle von Hada Halevy mit warmen, kräftigen ausholendem Alt großartig dargeboten wird. Das Libretto   beschreibt wie im Freiheitskampf schottischer Hochlandrebellen gegen König Giacomo V. so einige Verwicklungen entstehen, die teils durch Liebe, teils durch Tod gelöst werden. Elena soll nach dem Willen ihres Vaters Duglas (Reinhard Hagen), dem Anführer der Aufständischen, seinem Verbündeten Rodrigo vermählt werden. (Gregory Kunde kann als energisches Mannsbild zwar beeindruckend für sich punkten, aber leider keine Liebe erzwingen). Auch der König, der von Antonio Siragusa mit kräftigem Tenor die Würde und Weisheit eines wahrhaften Herrschers ausstrahlt, verliebt sich heftig in die Schöne, der er inkognito im Wald begegnet. Doch wird er später edelmütig auf seine Liebe zu ihr verzichten, dem aufständischen und nun besiegten Freund verzeihen und seine Tochter Elena mit dem stürmischen Malcolm verbinden. Allerdings muss er Rodrigo aus disziplinarischen und dramaturgischen Gründen vorher im Duell besiegen. - Mit einem Sopran so klarklar wie ein schottischer Hochlandsee singt Andion Fernandez die Vertraute Albina, und Yosep Kang hat rollenbedingt als Diener Serano nur wenig zu sagen und zu singen. Aber das bietet er wie gewohnt tief und kräftig. A.C.