| La Sonnambula
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Es darf ruhig gelacht werden Ein lyrisches Liebesdrama in den Schweizer Bergen
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Eine Produktion der Oper Leipzig Die
Nachtwandlerin - Libretto von Felice Romani Musikalische
Leitung: Il Conte Rodolfo: Arutjun Kotchinian; Theresa: Susanne Kreusch; Amina: Eunyee You; Elvino: Antonio Siragusa; Lisa: Ainhoa Garmendia; Alessio Hyung-Wook Lee; un Notario: Jörg Schömer |
Es darf ruhig gelacht werden - denn sowohl inszenatorisch als auch musikalisch bewegt sich dies als Melodram ausgewiesene romantische Liebesepos zwischen den Linien: Mal heiter, mal rührend ernsthaft lächelt die Musik doch über alle Tränen hinweg und weist auf ein gutes Ende hin; und somit könnte man diese lyrische Belcanto-Oper mit ihren empfindungsreichen melodischen Variationen als willkommenes Geschenk der Opernfreunde aus Leipzig ansehen. Die Besetzung allerdings ist weitestgehend dem Ensemble der Deutschen Oper Berlin vorbehalten. Den edlen Grafen spielt beispielsweise der Bass und Publikumsliebling mit dem wohlklingenden armenischen Namen: Aruntjun Kotchinian, souverän, liebenswürdig und doch Manns genug, um seine Augen begehrlich und recht auffällig auf die Schönsten des Dorfes zu werfen... Das bringt ihm zunächst mächtig in Verruf. Denn der reiche Bauer Elvino – dessen Wut Antonio Siragusa mit männlicher Dynamik und tief verletztem Ehrgefühl in die Welt schmettert - ist ganz schön sauer auf den Fremden, der seiner lieblichen Braut Amina so ganz unverhohlen seine Avancen macht, obwohl doch das ganze Dorf das verlobte Paar noch eben gepriesen und geehrt hat. Doch jäh ist alle Glückseligkeit für den eifersüchtigen Elvino zerstört, und für die sensible Amina tut sich erstmals ein seelischer Abgrund auf. Vorsicht, möchte man meinen, bei so einem Macho, der nicht mal einen kleinen Flirt duldet. Aber es kommt noch schlimmer. Die Braut, von der blutjungen Koreanerin Eunyee You mit sehr viel mädchenhafter Scheu gespielt, wird sich später voller Innerlichkeit und Inbrunst, voll zärtlicher Verzweiflung und Hingabe gegen alle ungerechten Verdächtigungen zu wehren versuchen; doch ihr Aufbegehren wird nichts nützten: der Augenschein hat gegen die Schlafwandlerin gesprochen. Bis sie beinahe erlischt - nur noch gehaucht sind ihre (Engelstönen gleichen) Koloraturen - und sie sich dem ungerechten Schicksal fügt. Noch einmal wird sie schlafend über gefährliche Pfade gehen (am Orchestergraben entlang!) und ihre dörflichen Gaffer in angstvollen Bann schlagen - während sie ihre Empfindungen zu Elvino nunmehr unangreifbar und wahrhaftig zum Ausdruck bringt und die Oper in höchsten Tönen zu ihrem virtuosen Höhepunkt fügt. Vor einer mit schwarz-bunten Kühen bemalten Kulisse vor einer ansteigenden Bergwiese mit dünnen Fichten läßt die hübsche Wirtin Lisa an einer „echten“ Pappkuh ihre Wut und Enttäuschung aus; Denn vergeblich hoffe sie, die Braut Elvinos zu werden, der nun aber zu Amina, der hübschen Ziehtochter der Müllerin Therese, in Liebe entbrannt ist. Der Chor begleitet das Melken vor dem Schweizer Bergidyll entzückend mit entsprechendem Rhythmen. Lisa hat die temperamentvollste der Frauenrollen, und Ainhoa Garmendia kann sich darin spielerisch wie auch stimmlich großartig behaupten. Allerdings kämpft sie auf dem Feld der Liebe mit nicht ganz fairen Mitteln und wird zuletzt auch als Verliererin den Kopf hängen lassen. Denn der Graf, der sich zunächst noch incognito gibt und im Wirtshaus Quartier bezogen hat, möchte sie wohl gerne vernaschen, aber letztlich nur eine flüchtige Affäre haben. Die wird allerdings jäh unterbrochen, als Amina schlafwandelnd in des Fremden Zimmer tritt und sich, den geliebten Elvino im Traum nahe wähnend, in das Wirtshausbett legt. Die enttäuschte Lisa sieht die Chance zur Rache und führt nicht nur das ganze Dorf, sondern an der Hand den verdutzten Bräutigam herbei, um ihn von der Untreue seiner Liebsten zu überzeugen. Da hilft der armen Amina kein Jammern und kein Klagen, der Fall ist so klar wie nur was, zumal sich der Graf auch noch verflüchtigt hat. Ob er andernfalls als Zeuge glaubhaft wäre, bleibt ohnedies ziemlich fragwürdig. Elvino singt und schreit seine Schmach gnadenlos in die Berg- und Dorfwelt, und Amina liegt buchstäblich am Boden, allein noch von der Mutter liebevoll getröstet; auch als Graf Rudolfo sich endlich dazu herablässt, von dem Phänomen des Somnambulen zu erzählen, glaubt ihm kein Mensch. So etwas hat man im Dorf noch nicht gesehen - ein Gespenst, ja, mit großen Augen und scharfen Zähnen, das nachts umhergeht, davon hat man schon gehört... Wahrscheinlich wäre Amina an gebrochenem Herzen gestorben, wenn der Komponist und sein Librettist nicht einen grandiosen Ausweg gefunden hätten: Vor den Augen des gesamten Dorfbevölkerung schlafwandelt das Mädchen erneut, seine Liebe und Unschuld beteuernd. Und Ende gut, alles gut - es umarmen sich die Männer! Und die Ehre der Frauen ist nebenbei auch gerettet, zumal Lisa`s echter und treuer Verehrer Alessio ihr noch immer zur Seite steht. Für die laufend geschlossenen und wieder verworfenen Ehekontrakte in diesem Schweizer Dorf ist in komödiantischer Version allein Jörg Schömer als Notario und Bürgermeister zuständig. Und der Regisseur trug seinen Humor am Premierenabend an den Füßen: in Form von knallroten Schuhen. A.C.
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