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Das Land des Lächelns von
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Zwischen Liebe und Despotismus
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Komische Oper Musikalische Leitung: Orchester der Komischen Oper, Solo-Violine: Igor Malinovsky
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Generalmusikdirektor Kirill Petrenko beginnt mit Paukenwirbeln und Donnerschlägen, der skandalfreudige Regisseur Peter Konwitschny mit süßlichem Operettenambiente, das die Damen und Herren in historisch getreue Kostüm- und Perückenpracht kleidet sowie in nichts sagendes Geschwätz. Im Mittelpunkt steht die flotte Gräfin Lisa, die von Beginn an ihre Sonderrolle deutlich macht: Im Gegensatz zu der farbenfrohen und rüschenbehangenen Dekoration der höfischen Gesellschaft gleitet diese tolle Dame im erotischen schwarzen Reiterdress eine dünne Kletterstange hinunter und wird von dem Grafen Gustav mit einem riesigen roten Rosenbukett glutvoll empfangen. Dessen Liebes- und Farbenrausch verlischt, nicht aber die Hoffnung, als er sich, brüsk abgewiesen, in die zweite Reihe trollen muß. Denn die schöne Gräfin hat ihr Herz für den seltsamen exotischen Gast aus China, den Prinzen Sou-Chong, entdeckt, der galant mit den Hofdamen turtelt und sich auf der Bühne mit der Gräfin inniglich verschlungen wälzt, bis der Kapellmeister beide zur Ordnung ruft. Schließlich soll hier nicht nur leichtlebig herumtändelt, sondern stilvoll gesungen und die traurige Geschichte einer unpassenden Liaison aufgeführt werden... So weit, so gut, Operetten-Theater aus der Belle Epoche eben.
Während noch
die Geigen seelenvoll schmachten, kündigen Trommeln und Trompeten im 2.
Akt bereits voll düsterer Ahnung die heraufziehende Gefahr an, weicht
der Wiener Charme auch musikalisch der rüden Wirklichkeit und starren
Tradition eines vor-maoistischen Chinas, das sich nicht weniger
martialisch in der steifen, drohenden Figur des dogmatischen
Prinzen-Onkels Tschang aufrichtet. Ein käfigartiger Bau, dessen mit
Jalousien verhangene Fenster für jeden erkennbar die Sicht ihrer
Bewohner nach außen wie nach innen versperrt, öffnet sich nur
zeitweilig, um die eingepferchten Menschenmassen wie Tiere in
Käfighaltung vorzuzeigen. „Wie es da drinnen aussieht, geht niemanden
etwas an“ wird irgendwann der in das höfische Leben ebenso eingezwängte
Prinz klagen, und der Regisseur hat dessen Herzschmerz auf das ganze
Reich des Lächelns wie auf jedwedes Regime der Unfreiheit projiziert.
Wer das alles
nicht so berauschend findet, ist unter anderen auch die schöne Gräfin,
die zudem noch dulden muss, dass ihr Gemahl sich vier weitere Frauen ins
Haus holt, die wie vier Pferdchen aufgeputzt und vor den Karren gespannt
sind und von Sou-Chong’s Peitsche schwingend in die Runde getrieben
werden, bis ihm die couragierte Lisa in die Parade fährt. Inzwischen ist
ihr Graf Gustav nachgereist und wird mit den banalsten Worten der Welt
begrüßt: „Ei, Gustl, was machst denn du in Kina“? Klar, dass er die
Schöne zurückholen will, sich dabei in ein Techtelmechtel mit des
Prinzen Schwester Mi einlässt und nun die Heimreise betreibt, allerdings
ohne die chinesische Geliebte, was aber interessanterweise nicht weiter
thematisiert wird. Der Prinz, offensichtlich zwar voller Kummer
(...“Dein ist mein ganzes Herz“), aber einsichtsvoll, genehmigt die
Entscheidung von Lisa und Gustl, doch leider nur scheinbar. Und so
werden die beiden tückisch gemeuchelt, noch bevor sie sich umgedreht
haben. So hat man das Gefühl, das Orchester stellt den Komponisten noch einmal unter vollem Einsatz seiner gesamten Möglichkeiten, ohne allzu tiefgründig und sentimental zu werden, auf seinen wohl erkomponierten Platz in der Geschichte der Operette. Doch leider auch, ohne Rücksicht auf die zarten Stimmen da oben auf der Bühne zu nehmen, von denen sich gegen die Dynamik des Geschehens hörbar an diesem Abend nur Tom Erik Lie als Graf Gustav und Karen Rettinghaus als Mi durchzusetzen vermochten. A.C.
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