Madonna out of Bingen von
|
|
|
|
im Cafe Theater Schalotte, Behaimstr. 22 Theater Wilde Mischung wilde-mischung@gmx.de
Eine MusicComedy Frauen, Musik, Komponistinnen und Hits aus 9 Jahrhunderten Idee, Produktion und Spiel: Birgitta Altermann |
"Highlights vom Mittelalter bis zum Boogie Woogie - wild women don't get the blues" nennt Lilly Walden ihre neue szenische Komposition, die Birgitta Altermann an verschiedenen Abenden vorträgt: Da gibt es die "Lust der Klara Fall", wilde Geschichten einer unglaublichen Pianistin sowie "Vergessene Duelle", in der Clara Schumann ihre Legende als Muttertier und Muse ihres Mannes demontiert und sich als wahrhaft große Pianistin präsentiert. In "Madonna out of Bingen" schlüpft Birgitta Altermann nacheinander in die Rolle der Ziegenhirtin (mit Wolfskopf-Instrument), kämpft sich als fahrende Musikantin durch das rauhe Mittelalter und landet schließlich als Köchin im Kloster bei Hildegard von Bingen, der großen, hoch musikalischen Ordensfrau; als Zeugin der Zeiten unsterblich geworden, versieht "Madonna" bis in unser Jahrhundert hinein ihren Dienst bei bedeutenden Frauen bedeutender Männer und rückt nun so manches Geschichtsbild und Frauenschicksal ins rechte Licht. Und vielleicht liegt die Stärke der verschiedenen Stücke in der Darstellung der einzelnen Frauenfiguren, die sie gleichermaßen so virtuos zu präsentieren vermag wie diese es in ihrer Zeit ebenfalls verstanden - späterhin jedoch zu den vergessenen Talenten in die Schublade gelegt wurden. Wer das Theater Wilde Mischung kennt, weiß, dass Frau Altermann eine vielseitige Begabung ist - seit jeher; Musikalisch hoch gebildet und versiert, dazu Puppenmacherin, Instrumentenbildnerin und Schauspielerin, kann sie allein einen ganzen Abend lang ihr Publikum bezaubern - nur als Entertainerin ist sie nicht ganz so stark; vielleicht wäre deshalb die kosmetische Werbefirmen-TV-Einlage, mit der sie die Präparate und Produkte von Hildegard von Bingen in unsere Zeit hinüberbringt, sogar überflüssig; die Spots, in denen sie die Musikerinnen der Jahrhunderte vorstellt, enthalten ausreichend Gestaltung durch Frau Altermann selbst. Wenn sie beispielsweise - um nur eines ihrer highlights zu nennen, "große" Männer der Zeiten wie George Bernhard Shaw, Herbert von Karajan und Marcel Reich-Ranicky in ihrer Beurteilung über talentierte Musikerinnen wie blind eifernde Machos plappern läßt, so stimmt das gleichermaßen heiter als auch nachdenklich. So war es und ist das also: noch immer bleibt Frauen die Anerkennung der Männerwelt versagt, wenn sie sich als bedrohliche Konkurrenz zeigen! Was ist köstlicher als die wahre Denkungsart dieser Herren mit Humor zu entlarven! Und was beispielsweise war gar mit Wilhelmine von Bayreuth, der Schwester Friedrich des Großen, der Voltaire einen "männlichen Geist" zubilligte, die aber nicht nur klug, begabt und durch die eiserne Zucht am preußischen Hofe gestählt war, sondern auch ein hohes musikalisches Talent offenbarte, von dem freilich die Nachwelt keinerlei Notiz mehr zu nehmen gewillt war. So faszinierte sie mit einer Komposition für Streichorchester und Cembalo, aus der ihr modernes Double nun den 1. Satz des Concerto G-Moll hinreißend spielte .... Und - ein herrlicher dramaturgischer Einfall - Birgitta Altermann, die sich mit wenigen Kunstgriffen auf der Bühne in Wilhelmine verwandelt, läßt gerade diese männlich herbe Frau die anrührendste Melodie spielen, die wohl jemals komponiert worden ist: kurz vor ihrer Hinrichtung nämlich schrieb Anne Boleyn, die Mutter Elisabeth I, das zärtliche Lied "Rock me asleep"... In den musikalischen Bilderbogen der Jahrhunderte reihen sich ferner die Lebensläufe von Elisabeth Jacquet de la Guerre, Louise Farrenc, Fanny Hensel-Mendelsohn, deren Werke ihr Bruder total unterdrückte, Cécile Chaminade, Amy Marcy Beach und Lili Boulanger in ihrer unterhaltsamen Individualität ein. A.C.
|