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Die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach in der Bearbeitung von
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...sie alle werden weinen, klagen und leiden... |
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Wiederaufnahme in der szenischen Gestaltung Günther Ueckers, Götz Friedrichs und Dietlinde Calsows aus dem Jahr 1999. Bachs zweiteiliges Passionsoratorium wandelt sich auf der Bühne zu einem dramatischen Opernabend. Musikalische
Leitung: Chöre: Ulrich Paetzholdt Mit: Michaela Kaune, Fionnuala McCarthy, Robin Johannsen, Jessica Miller, Andion Fernandez, Cheri Rose Katz, Stephanie Weiss, Christia Werron; Clemens Bieber, Geert Smits, Reinhard Hagen, Yosep Kang, Bernd Valentin, Markus Brück, Volker Horn, Hyung-Wook Lee, Guillaume Antoine, Piér Dalás
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Mit beeindruckender Klarheit tritt das Bühnenbild hervor: In gerüstartig aufgetürmten Höhlenbehausungen verfolgen die Menschen den Einzug Jesus`in Jerusalem. Sie bejubeln ihn in ihren Chorälen und huldigen; später mdurch den Zuschauerraum erstreckt sich eine lange Laufbahn zur Bühne. Sehr langsam, eher zögerlich, als ob sie das unabwendbare Schicksal hinauszögern wollen, bewegen sich die Jünger mit Jesus in ihrer Mitte - gleichsam aus der heutigen in eine vergangene, stets lebendige Zeit - hin zur Bühne. Diese ist mit tuchumschlungenen hohen Holzstelen bestückt, verwitterten Kreuzen ähnlich... Clemens Bieber in priesterlichem Anzug begleitet als Evangelist Matthäus mit einem klaren, festen und melodischem Tenor den Leidensweg Christi. Als Jesus die Bühne betritt, verteilen sich Jünger und sonstige Anhänger in kleine Grüppchen; er bleibt stets der zentrale Punkt. Alles bewegt sich um ihn herum. Im wunderbaren Wechselspiel erzählt Matthäus die Passionsgeschichte, überlässt die persönliche Darstellung aber den anderen. Geerts Smits ist ein sich seiner schweren Aufgabe bewusster Jesus, der keinen Zweifel an seinem Schicksal zulässt, wohl aber Hoffnung verkündet. Sein kraftvoller Bass verspricht Zuversicht und Beständigkeit im Glauben selbst in schwärzester Stunde. Nicht weniger ausdrucksstark ist der Judas von Reinhard Hagen (mit volltönendem Bass), der schuldig werden muss, um die Schrift zu erfüllen, und der für den Verrat an Jesus Buße tun wird. Yosep Kang als Petrus berührt mit seiner wehen, weichen tenoralen Hingabe an den zum Tode Verurteilten; Er könnte die mildere Variante eines christlichen Botschafters sein. Er wird in verzweifelter Angst seinen Herrn verraten, dreimal bevor der Hahn kräht, er wird weinen, klagen und leiden - wie alle Jünger, und vor allem die Frauen, die Christus in den Tod begleiten und in herzzerreißender Hilflosigkeit verharren müssen. Die Deutsche Oper zeigt in der Bearbeitung von Mendelssohns' Matthäus-Passion das zentrale Drama des Christentums in wirkungsvoller Weise. Große, leidenschaftliche Musik verbindet sich mit schmerzvoll dargebotener Körperlichkeit. Die Psychologie menschlichen Verhaltens angesichts der aufgezeigten Probleme in der Passionsgeschichte ( die Vorausschau Jesus, seine zutiefst erschütternde letzte Hoffnung, dass dieser Kelch an ihm vorübergehen möge; der Verrat der Jünger; der Konflikt des Pilatus; die Unbarmherzigkeit der wankelmütigen Masse; der Tod am Kreuz als Erlösung der sündigen Menschheit) wird in 14 Bildern sichtbar, die sich im Einklang mit der Musik Mendelssohns und Bachs symbolhaft verdeutlichen. Musik wird zur Vision, und die Bilder wiederum verstärken und verinnerlichen unsere Vorstellungskraft für die Botschaft des Christentums. Zur Historie: Der Chorleiter Carl Friedrich Zelter, hatte zwar mit seinem Unterricht und der Probenarbeit bei in der Berliner Singakademie Mendelssohn das Werk Johann Sebastian Bachs nahegebracht, hielt jedoch eine Aufführung der Matthäus-Passion Bachs für undurchführbar. Gegen seinen Widerstand führte Mendelssohn-Bartholdy doch 1829 mit einem 158 Sängern eine öffentliche Aufführung der Matthäus-Passion Bachs unter seiner Leitung durch! Es war die erste Wiederaufführung der Passion seit Bachs Tod (1685-1750), und sie war ein bedeutendes musikalisches Ereignis. Ausschlaggebend für die Vorsicht Zelters war, dass einzelne von Bach verwendete Instrumente mittlerweile unbekannt geworden waren und die Befürchtung bestand, dass eine zu sehr barock geprägte Interpretation dem Publikum nicht gefallen würde. Doch Mendelssohn gestaltete die Aufführung mit starken romantischen Kompositionen. Er ersetzte das Cembalo durch einen Flügel, die Oboi d'amore und die Oboi d'caccia durch Klarinetten. Der Schauspieler Eduard Devrient sang die Partie des Jesus und setzte damit über den gesanglichen einen stark darstellerischen Effekt. Zur Verdichtung des Werks verzichtete Mendelssohn auf einen großen Teil der kontemplativen Arien und verwandelte damit die alleinige sakrale Verinnerlichung zu einem weltoffenen, allumfassenden dramatischen Geschehen. Zwei große Musiker verbanden ihre Intentionen zu einer einzigartigen gemeinsamen Schöpfung. Kirche fand nun im der Öffentlichkeit statt. Einstmals hatte das Theater im kirchlichen Raum seinen Anfang in der Darstellung der Mysterien und der Leidensgeschichte Jesu genommen, nun waren religiöse Themen auf der weltlichen Bühne angekommen. A.C. |