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Nachtmusik von Rolf Hochhuth
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Sein Tod bleibt ein Mysterium Trauer um Wolfgang Amadeus Mozart |
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Zum 75. Geburtstags des Autors am 1. April Ein Requiem für 3 Personen in 2 Bildern Deutsche Erstaufführung Regie: Andreas Gergen Chor der Schatten: Tina Schöltzke, Ulrike Wernst, Susanne Feiten, Irene Wohlfahrt, Alexander Zörnig, Sion Borutzki, Stefan Labenz, Johannes Kadel Mit: Lisa Karlstroem, Stephan Wolf-Schönburg und Helmut Rühl Kurz gesagt: Der Dichter zeigt in diesem subtilen, sehr schön arrangierten Kammerspiel die Möglichkeit auf, dass Mozart von dem Ehemann einer seiner Liebhaberinnen vergiftet worden sein könnte. Ein Drama zwischen Eheleuten, von dem Kaiser Leopold II. sich haargenau berichten läßt. Der Zuschauer erfährt viel von ehelichen und außerehelichen Beziehungen, erlebt scheinbar die weise Güte eines Kaisers, ist abe am Ende um keinen Deut klüger, was Mozarts musikalisches Genie betrifft.
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Andreas Gergen und seinem Kreativteam (Bühne, Kostüme, Musik) ist eine eindrucksvolle, ausdrucksstarke Inszenierung gelungen: Er hat die ohnehin chronisch enge Bühne genutzt und in der Mitte eine erhöhte Plattform als Boxring angelegt, in deren Seilen sich die Sparringpartner entweder auf den beiden Eckstühlen gegenübersitzen um, wie die wahren Kämpfer, nach jeder Runde erneut Luft zu holen oder, einander umkreiselnd, harte Wortgefechte liefern. Die Hälfte des Podestes nimmt ein Spinett ein, auf dem die Darsteller dann und wann einzelne Akkorde aus Mozarts Requiem und seiner "Kleinen Nachtmusik" anschlagen. Im Hintergrund erhebt sich eine weiße, mit Noten beschriftete Pyramide - denn fern und unerreichbar sind Mozarts Genie und seine Person fortan. Gerade hat seine Beisetzung stattgefunden. Rund um den Boxring, außerhalb also, stehen oder bewegen sich sehr langsam acht vermummte Chorsänger, die einzelne Passagen aus dem Requiem vorragen, unterstützt von Bandaufnahmen und einem live-spielenden Cellisten mit ausgewählt schönen Stimmen vortragen. Eine würdige und bewegende Begleitung für ein recht absurdes, vielleicht, sogar typisch Hochhuth-Spiel, dass versucht, das Mysteriöse an Mozart frühem Tod und das Geheimnis seiner erotischen Ausstrahlung psychologisch und kriminologisch aufzuarbeiten. Das Stück, bereits 2001 am
Citizens Theatre in Glasgow uraufgeführt, folgt einer der Theorien zum
Tode des Komponisten und dramatisiert die Tragödie der Magdalena
Hofdemel, einer der drei Frauen, die dem Sarg Mozart folgten und die
jahrelang seine Schülerin und Geliebte war. Als Magdalene (Lisa
Karlström anmutig, einfühlsam und sehr selbstbewusst) von der
Beisetzung heimkehrt, trifft sie unerwartet auf ihren Mann, der als
Hofkanzlist eine hohe und achtenswerte Position innehat. Hofdemel, der
geahnt hat, dass seine Frau ein Verhältnis mit Mozart hatte, verrennt
sich nunmehr in wahnsinnige Eifersuchtsanfälle und gesteht seiner Frau,
dass er Mozart getötet, vergiftet, habe. Und diese, gleichermaßen vor
Leid und Wut außer sich, schürt das furchtbare Feuer zum unlöschbaren
Flammenherd, bis ihr Mann sie, rasend und blind vor Wut und Verzweiflung,
mit mehreren Messerstichen gefährlich verletzt und sich selbst das
Leben nimmt. Vielleicht möchte Hochhuth in diesem subversiven Kammerspiel, das zuweilen an die Ehetragödie Edward Albee's "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" erinnert, ein neues Bild von Mozart transparent werden lassen, indem er ihn von verschiedenen Personen charakterisieren lässt: Wie sieht die Geliebte den Komponisten, wie sieht ihn der Freund und wie letztlich der betrogene Ehemann und der Kaiser? Das Ganze hat nun, vor allem bis zum Pausenabschnitt, erhebliche Wiederholungslängen, und es ist außerordentlich schwer für die Schauspieler (wobei sich Stephan Wolf-Schönburg als Franz Hofdemel erschütternd in eine nicht mehr aufzuhaltende Leidenspsychose hineinzusteigern vermag), sich textlich im Kreise zu drehen und gleichzeitig einen dramatischen Aufbau herbeizuführen, der den Mordversuch und Selbstmord glaubhaft machen soll. Für den Kaiser, der sich detailgetreu berichten lässt, wie es zu Mordversuch und Suizid hat kommen können, sind die intimen Einzelheiten der ehelichen und außerehelichen Beziehungen vielleicht von erfreulicher Pikanterie. Doch deutlich soll werden, wie und warum ein Genie wie Mozart nicht ohne erotische Animation leben und arbeiten konnte, dass das eine das andere bedingte, und dass er wohl so natürliche und hingebungsvolle Frauen wie Magdalena brauchte, damit sich seine Kreativität entfalten konnte. Die Tragik einer derartigen Dreiecksbeziehung (auch wenn es kein Genius ist) ist zeitlos und immerfort ein Stoff, aus dem die großen und kleinen Dramen der Weltbühne gewoben werden, in dem sie die Wirklichkeit auf die Bühne heben. Das gehört zur Paradoxie der Kunst. In diesem Fall aber reicht die künstlich konstruierte Geschichte nicht für ein überzeugendes Drama. A.C. |