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Non(n)sense von
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Um Himmels willen - ja nichts ernst nehmen! Nonnenklamauk im Dschungel des Unsinns |
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Neues Musical im Regie: Andreas Gergen; mit: |
Die Story ist haarsträubend und nur reines Mittel zum Zweck, um fünf wilde Schwestern - die letzten Überlebenden eines großen Missionsordens - kirchlich keck über die Bühne tanzen, singen und jonglieren zu lassen. Abgesehen also von der immer wieder erzählerisch eingestreuten Handlung ( alle anderen Schwestern sind an Fischvergiftung gestorben und, um ihnen ein christliches Begräbnis zu geben, müssen die letzten überlebenden Nonnen eine Show aufziehen, um zu großzügigen Spenden zu kommen), gibt es hier eine Menge Spaß am Spiel. Dabei steht die Mutter Oberin (Dagmar Biener) als leicht verstörte Autorität im Trubel ihrer jungen Mitschwestern, die nicht nur auf der Bühne herumtanzen, sondern auch auf ihrem Kopf. Denn eigentlich, so wird nach und nach offenbar, hatten sich alle ihr Leben einst etwas anders vorgestellt: die eine wollte Sängerin, die andere Tänzerin, die dritte Bühnenstar, die vierte Jazzerin werden, und nun? Der liebe Gott hat ihnen nun doch noch, passend zum guten Zweck, ihre Wünsche erfüllt. Und so mixen sie, mal arg artig, mal fröhlich-frivol, ein rhythmisch tolles und stimmlich attraktives Programm, das nach leichten Startschwierigkeiten das Publikum am Ende vollauf begeistert. So war das vor Jahren schon in der "Tribüne". Jetzt hat der rührige Andreas Gergen den Broadway-Erfolgsknüller mit Hilfe des Werbeetats und Entertainments der stage holding an das Schloßpark Theater versetzt, die musikalischen Zutaten etwas aufgemischt und die Choreografie noch fetziger gestaltet, die Handlung allerdings so schwachsinnig belassen wie einst im Mai. Dass hier fünf Schauspielerinnen singend und tanzend aus dem Vollen ihrer Talente schöpfen dürfen, lässt den seichten Textblödsinn dann glücklicherweise in die backstage rücken. Allerdings bleiben noch einige Peinlichkeiten - wie der dumme song über die Leprastation - der dürfte durchaus fehlen, denn diese Krankheit ist genauso wenig witzig wie Aids oder Krebs. Man sollte daher gut überlegen, womit man seinen Schabernack treibt. Sicher nicht mit abfallenden Gliedmaßen. Zwar leben wir nicht im repressiv-autoritären Geist religiösen Fanatiker, aber wir sollten unser Niveau auch nicht so niedrig ansetzen. Die Darstellerinnen sind dieselben geblieben, und sie sind immer noch so entzückend wie auf der Bühne der Tribüne. Da ist die Berliner Vollblutschauspielerin und Komikerin Dagmar Bienert, um die es leider etwas still geworden ist. Umso erfreulicher, zu erleben, wie umwerfend komisch sie spielen kann! Das Aufsagen von Handlungsverbindenden Texten allerdings ist immer tödlich - und in diesem Falle könnten sie überhaupt fehlen, da sie ziemlich störend und unwichtig sind. Besser wäre es, Erklärungen Geheimnis umwoben aus dem Off heraus zu schicken oder sie durch einen eleganteren Handlungsbogen sichtbar völlig überflüssig zu machen! Bettina Meske als die Stellvertreterin der Oberin muss ihr schönes Gesicht leider wie ihre Mitschwestern in dieser beengenden Tracht verbergen, aber ihre gewaltige Soulstimme ist dafür um so gegenwärtiger, und wenn sie ihr Temperament in ihrem Abschlußsong noch etwas zügeln könnte, um die Töne an ihrer stimmlichen Perlenschnur noch nuancierter hinauf- und hinunter gleiten zu lassen, dann wäre sie perfekt! Katharine Mehrling ist der gelungene Beweis dafür, dass es immer wieder tollen Nachwuchs im Fach der Komikerinnen gibt. Und sie beherrscht Mimik, Stimme und sprachliche Variationen aufs Köstlichste. Sie bekommt viele soli, um ihre verschiedenen Fähigkeiten vorzuführen, und sie versteht es nur allzu gut, ihr Publikum an der Hand und an der Nase herumzuführen, mal als naives Nönnchen, dann als geschickte Unterhalterin, und auch als Countrysängerin hat sie Schmiss und Biss. Sie spielt im Wechsel mit Mary Harper, die ihr sicher ebenbürtig ist. Ihr Showtalent kann Franziska Becker als aufsässiges, von allen vernachlässigtes Mädchen geschickt zur Geltung bringen. In ihrer zweiten Rolle als Lehrerin für die Novizen versteht sie ebenfalls, sich durchzusetzen, und wenn es mit netten Zaubertricks ist. Sie weiß viele Register des Genres zu ziehen, vor allem tanzend und singend überzeugt sie hier als Musical-Talent mit strahlendem Charme. Jüngstes Showtalent ist Filipina Henoch, die man erst kürzlich in der Neuköllner Oper in einem entzückenden kleinen Märchenspiel, aber auch in der Nachwuchsshow im Friedrichstadtpalast sah. Als tanzende Nonne steppt sie fröhlich über die Bühne oder erhebt sich auf Spitzen als Schwan in Schwarz-Weiß, der aber leider einige Federn lassen muss. Ohne Christoph Wanger, der die Damen am Klavier begleitet und zu rasanten Einsätzen treibt, Melissa King, die auf der kleinen Bühne ein Wunderwerk an choreografischer Ordnung arrangiert, Regina Schill, die für Kostüme verantwortlich zeichnet und durchaus auch mal auf farbige Tracht verfällt - wäre das Ganze nur halb so gelungen. Und was wäre der ganze Jux ohne die zur Begrüßung im Foyer herumschwärmenden maskenhaft geschminkten und mit roten Hauben und Gewändern herausgeputzten Damen, deren tiefe Chansonstimme auf eine anderes Genre hinweist... Das Publikum hat seine Freude dran. A.C. |