|
Panik Sound Club von Peter Lund (Text) und
|
Viel Show und schriller Schein - Von der Not, immer cool sein zu müssen
|
|
|
Gespielt vom 3. Jahrgang des Studiengangs Musical/Show an der UdK
Kurz und bündig Flotte songs und Tänze, schmale Texte. Mädchen aus der Kleinstadt muß sich im Großstadtdschungel der Gefühle orientieren. Das Karussel dreht sich um Sex, Liebe und cool-sein. Zurück |
Ein junges Mädchen aus einem kleinen Ort bei Hannover kommt nach Berlin, um hier zu studieren. In der Wohnung ihres Bruders, der in einer Unternehmergemeinschaft als Programmierer arbeitet, findet sie Unterschlupf und bei einer Party seltsame coole Leute vor, die nicht nur schrill gekleidet sind, sondern sich auch ungewöhnlich schrill verhalten. Alles dreht sich um Sex, wer mit wem und wann und ob und wie. Die als Landpomeranze verkleidete, zudem äußerst kindlich wirkende Mo (wer nicht weiß, wie trendy sich die Jugend in Kleinstädten kleidet, sollte sich schnellsten besser informieren!) also sieht das seltsame einseitige Treiben mit großen Kulleraugen, und findet die Typen eigentlich alle unmöglich. Bis auf einen netten hübschen Jungen, der sich dann aber leider als schwul outet und für Liebe doch nicht oder zumindest nur partiell in Frage kommt. Leider ist er auch noch HIV-positiv, was das ganze Dilemma nur noch vergrößert. Die anderen Paare haben auch ganz heftige Sorgen: Untreue, Arbeitsüberlastung und den schrecklichen stress des ständigen cool-sein-müssens. Michael Randohr hat eine flotte, durchaus nicht immer gefällige (von Neva Howard choreographierte) Musik komponiert, die Hans Peter Kirchberg mit seinem kleinen Orchester auf die Darstellung der Abschlussklasse der UdK einfühlsam abgestimmt hat. Das Stück von Peter Lund ist mit Gags und gutem Gespür für zeitgemäße Probleme einer Großstadtjugend bis zur Pause gut durchgestylt; es hat Witz und Charme. Die jungen Schauspieler und Tänzer zeigen, was sie können, und das ist beachtlich! Doch nach der Pause dieser sehr langen Inszenierung zeigen sich Ermüdungserscheinungen nicht nur körperlich bei den überanstrengten Studenten (die ja nicht nur abends Theater spielen, sondern sich tagsüber auch noch auf ihr Examen vorbereiten müssen), sondern auch in der Lund`schen Phantasie. Stand die Toilettenschüssel ohnehin schon als ein sonderbar offenherziges Requisit einsam auf der Seitenbühne (ansonsten gute Rundumbespielung!) herum, so zeigt sich jetzt, wozu sie da ist: zum Kotzen. Ein endlos langes Lied kennzeichnet diesen üblen Zustand und das Produkt der offensichtlichen kreativen Erschlaffung des Autors. Ansonsten bestimmen Fäkal- und Sexualvokabeln die inhaltsarmen Dialoge Aber was weitaus bedauerlicher ist: Die Handlung erschlafft, man ist froh, als endlich aller Wirrwarr zwischen Herz und Unterleib entflochten ist, und es zu einem - zumindest, was die Harmonie von Tanz und Musik angeht - schwungvollen Ende kommt. Die einen trennen sich, die anderen gehen zurück in die viel bespottete Provinz, die Dritten erleichtern einander das Leben oder was davon noch übrig bleibt. Das ist recht traurig, aber es scheint wohl die Realität dieser Generation zu sein. Dann wäre das ganze Stück teilweise ein sehenswertes Stück! A.C.
|