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Perlenfischer BizetLounge von Rainer Holzapfel und
Bernhard Glocksin |
Wenn Liebesperlen zu Tränen werden...
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Regie: Rainer Holzapfel Musikalische Leitung: Andrew Hannan Ausstattung: Detlef Thomas Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Leila: Madelaine Vogt-Krusche Zurga: Markus Matheis Nadir: Ilja Martin Schwärsky Nurabad: Peter Trautwein Sopran: Anja Taube Mezzosopran: Andrea Stammen Tenor: Markus Vollberg Bass: Falk Joost
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Die Neuköllner Oper ist doch immer wieder für eine Überraschung gut. Für die umwerfende Bizet-Lounge hat sie den großen Saal in eine feine großräumige Bar umgebaut mit weiß gedeckten runden Tischen, an denen je acht Personen Platz finden. In der Mitte teilt eine lange ovale Theke den Zuschauer- und gleichzeitigen Bühnenraum in zwei Hälften. Freundliche Barmaids und ein singender Barkeeper kredenzen leckere Cocktails und was sonst Herz und Gaumen begehren. Oben rechts sitzt eine Band und spielt Salonmusik so vor sich hin. Und eigentlich, wenn man es nicht genau wüsste, könnte man sich in der Bar jeder Vernunft oder im Tipi oder im Wintergarten wähnen. Pünktlich um 20 Uhr erscheint eine zierliche Barsängerin vor dem Orchester und entzückt mit einem hingebungsvollen Chanson. Wahrscheinlich ein Liebeslied. Als sie geendet hat, betreten zwei verspätete Pärchen den Saal und juxen an die Theke herum, keine Gäste, sondern Darsteller also. Dann begeben sie sich an einen Tisch in der zweiten Ebene und schlürfen genüsslich ihre Getränke. Sogar mit melodiöser Fertigkeit, begleitet von einem lässigen Akkordeonspieler. Die Geschichte entwickelt sich: Ursprünglich eher ein bescheidenes Fragment Bizet'scher Kompositionskunst (1863), jetzt verwandelt in ein hübsches Spiel im Spiel, das sowohl über einige verblüffende Opernklänge verfügt als auch über entzückend kitschig romantische Weisen. Sie werden sowohl vom Heldentenor als auch von den zwei Paaren an einem der Tische äußerst zärtlich gesungen und kontrastieren mit der schrecklichen Eifersuchtstragödie. Man merkt es nicht sogleich; aber irgendwie ist Zurga, der Besitzer der Perlen-Lounge, ein ziemlich harter Typ, der seine Frau/Freundin, eben die schöne Barsängerin, äußerst mies behandelt. Ziemlich handfest, zugleich mit energischem Bass und bitterböser Miene gibt er der Dame zu verstehen, dass er keine Untreue duldet. Wer mag die schon. Doch er hat wohl allen Grund, seiner Leila zu misstrauen, als sein alter Kumpel Nadir in ziemlich wilder Erscheinung nach vielen Jahren plötzlich wieder auftaucht. Die Wiedersehensfreude weicht jäh einer alten Erinnerung: keiner wollte beider Jugendliebe für sich nehmen; doch Zurga brach den Schwur und Nadir die Perlen stahl. Und Leilas Herz gehört zu guter letzt nur noch ihr allein. Hier klingen bereits dramatische Carmen-Vorläufe an: die Femme Fatale im roten Kleid ist so ganz schuldlos doch wohl nicht. Verstrickt in die Gefühle beider Liebhaber und zugleich Gefangene ihrer eigenen Sinnlichkeit und Sehnsucht, befreit sie sich ziemlich rigoros von den Besitz ergreifenden Mannsbildern. Die singen noch ein bisschen schmachtend und beschwörend, bevor sie in die ewigen Meeresgründe geschickt werden. Das ist ein vergnügliches, originell choreographiertes Singspiel mit viel versprechenden jungen Künstlern, und verspricht anderthalb Stunden angenehmsten Zuhörens und Zuschauens. A.C.
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