Pinkelstadt-ein Musical

 

 von Mark Hollmann und Greg Kotis

Deutsche Fassung: Ruth Deny

Liedertexte: Wolfgang Adenberg

nicht mehr im Programm

  Im Musical wird alles Schwere leichter   

Ein neuer Anfang für das Schlosspark Theater  

 

   

Schlosspark Theater

 

präsentiert von der

Stage Holding  - The Theatre Company

Regie: Andreas Gergen
Bühne: Stephan Prattes
Kostüme: Regina Schill
Licht Design: Hilton Jones,, Kai Kostka
Choreographie: Melissa King
Bandleader: Steven Gross

u.a. mit: Ilja Richter/Boris Freytag (v.Mehrwerth);
Aris Sas/Felix Powroslo/Andreas Gergen (Jonny Stark);
Sara Fonseca/Mary Harper (Freya v. Mehrwerth);
Gabriele Ramm/Bettina Meske/Mary Harper (Elfriede Fennichfux);
Thorsten Tinney/Dannay Costello (Wachtmeister Kloppstock);
Tamás Ferkay/Boris Freytag (Wachtmeister Wampe);
Uwe Dreves/Boris Freytag/Tilmann von Blomberg (Abgeordneter Schmier);
Christa Schreiner/Aimée Covo (Klein Erna)

  Kurzgefasst:

Das ist ein mutiges Unterfangen, dem sich der quirlige Schauspieler und Theatermanager Andreas Gergen ( Erinnern Sie sich u.a. an seine köstliche Rolle als "Snoopy" im Kleinen Theater am Südwestkorso?) und sein Kollege Gerald Michel gestellt haben. Mit ihrer ersten kleinen Musical-Produktion wenden sich das neue Team mitgemeinsam mit der Stage-Holding sowohl an ihr altes Steglitzer Publikum, aber auch an junge Leute, die diesem Genre viel abgewinnen können. Der zunächst unangenehme, aber nicht anders zu umschreibende Titel des Spiels wird sehr schnell mit der munter verpackten, aber brisanten Thematik akzeptiert. Da das fiktive ( für uns) Problem einer Wassernot, die eine ganze Stadt ins Unglück stürzt, so heiter und schwungvoll verpackt ist, wird es sozusagen schmerzfrei injiziert und nimmt seinen Lauf durch unsere Blutbahn zunächst durchs Herz und dann ins Hirn. Denn nur dem Herzen ist der Vergeudung unserer Resourcen leider nicht beizukommen - da müssen wir auch schon den Verstand bewegen.

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Da alle Rollen zwei -bis dreifach mit hochkarätigen Darstellern besetzt sind, dürfte jeder Aufführungsabend ein besonderes Ereignis sein. Denn, obwohl Choreographie, Regie und Musik den Ablauf streng vorherbestimmen, weiß man doch nie, was der eine oder andere noch als Überraschungsgag auf Lager hat. Ein großes Amüsement ist dieses Musical in jedem Fall - obwohl es sich eigentlich eine recht traurige und nachdenklich stimmende Geschichte handelt: Eine Stadt leidet nach einer langanhaltenden Dürreperiode an Wassermangel. Um die Menschen vor dem Verderben zu retten, muss das letzte vorhandene reine Grundwasser streng rationalisiert werden. Das geht soweit, dass niemand mehr die eigenen Waschanlagen, Badezimmer und Toiletten benutzen darf, sondern für die persönlichen Bedürfnisse entsprechende kleine Häuschen in der Stadt aufsuchen und für die Notdurft bezahlen muss! Das wäre nun eigentlich schon schrecklich genug; aber da gibt es den Unternehmer, von Mehrwerth, der alles in der Hand hält, die Ressourcen, die Politiker, die Polizei: Und dieser Mann ist ein schlimmer Tyrann und Blutsauger. Denn wenn die armen Leute den Gesetzen zuwiderhandeln, steht ihnen eine schreckliche Strafe bevor: sie werden in die ominöse "Pinkelstadt" verschleppt...
Na, wenn das kein Zündstoff ist! Als eines Tages seine ebenso entzückende wie naive Tochter von der Universität nach Haus zurückkehrt, erlebt sie jäh die rauhe Wirklichkeit und stellt sich natürlich, vom Herzen zum Freund Jonny geleitet, auf die Seite der armen Leute. Was folgt, ist ein Aufstand nach alter Art und Güte: Revolution in Pinkelstadt! Es hätte nicht schlimmer kommen können.
Aber damit die ganze story weder unappetitlich noch grauslich wird, hat man sie in bekannt schmissige Broadway-Weisen gepackt, schwungvoll choreographiert und ihr ein ungleiches Erzählerpaar beigefügt: das pfiffige Klein-Erna-Mädchen und den charmant-bösen Polizisten Kloppstock. Damit wird wohl Distanz zum fiktiven Geschehen gesetzt, aber auch willentlich oder unwillentlich ein leichter Bruch herbeigeführt. Sozusagen    überflüssig.
Erstaunlich, wie geschickt sich das Bühnenbild dem schmalen Schlauch des Schlosspark Theaters anpasst: Schmale Treppen an den Seiten führen auf eine Empore, wohin die Darsteller in verschiedenen Situationen ausweichen können, um Bewegung im Spiel zuhalten, während sich auf der Bühne ein langer, schmaler, halbhoher Kasten mal als Bedürfnisanstalt, mal als Hintergrundwand im Dirktorenzimmer zeigt. Hier werden die Gebühren erhöht, hier werden die Fäden gezogen und hier wechseln die Geldscheine gleich kofferweise ihre Besitzer, während unten die armen Leute ihren letzten Pfennig zusammenkratzen, um einem lebensnotwendigen Bedürfnis nachgehen zu können.

Es ist schon eine große Kunst, solch ein Thema derart leichtfüßig zu behandeln! Man stelle sich ein hochdramatisches Theaterstück vor, das sich die Vergeudung und Ausbeutung der letzten Wasservorräte auf unserer Erde zum Thema macht... Hier ist es Ilja Richter, der als mieser Typ von Mehrwerth den Zug anführt - aber nicht immer. Denn sein Kollege Boris Freytag beispielsweise ist mindestens genauso böse und hinreißend gemein, so hintertrieben hinterhältig, so elegant mafiotisch und so faszinierend skrupellos, dass man annähernd begreift, mit welcher Magie ein Bösewicht zu agieren vermag. Da aber alles natürlich auch und zugleich Satire ist, muss man so Schreckliches nicht ernst nehmen. Natürlich darf auch die absolute Naivität des liebreizenden Töchterleins, das dann die Leute auf ihre herzergreifende Art endgültig ins Verderben führt, nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Wer mag, könnte ja einmal über eine Lösung des angesprochenen Problems- menschliche Vernunft und Einsicht contra Maßregelung und Bevormundung - reflektieren. Andererseits kann man auch einfach nur ein heiteres Musical genießen und dem Schlosspark Theater und seinen neuen Betreibern - der "Stage Holding-The Theatre Company" - eine erfolgreiche Zukunft wünschen. A.C.