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Referentinnen von
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Von Menschen und Mäusen in Ministerien |
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mit dem Ensemble leitundlause Inszenierung:, Text: Matthias Rebstock, Text: Tilman Rammstedt; Musikalische Einrichtung: Knut Jensen, Bühne/Kostüme: Sabine Hilscher, Projektionen: David Reuter, Sabine Beyerle, Dramaturgie: Bernhard Glocksin Ensemble: Sabine Hilscher, Irmtraut Horstkotte, Astrid Kessler, Deborah Klein, Ursula Renneke, Bärbel Schwarz, Lydia Starkulla, Mariel Jana Supka, , Trompete: Steffen Zimmer, Posaune: Rob Gutowski, Tuba: Janni Struyzk
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Kontraste, Bizarres, Komisches, Historie mit Gegenwart musikalisch vermischt und frische Talente - die Neuköllner Oper ist immer für eine Überraschung gut. Diesmal also "Referentinnen": grau-braune Faltenrock -und -Blazer-Mäuse, die scheinbar kopflos durcheinander wirbeln und sich auf die Ankunft der Politikerrunde vorbereiten, die sich einmal abseits vom muffigen Plenarsälen in der frischen grünen Natur zum Thema "Krisenbewältigung" wohl Einiges zu sagen hat. Wer meint, hier spiele die Story auf Schröders Ausflug nach Brandenburg und Merkels internationale Runde in Mecklenburg Vorpommern an, der liegt richtig. Obwohl sich an Stand, Status, Stress und Frustration der bedauernswerten Zu- und Mitarbeiterinnen in den kafkaesken Fluren und Räumen der Mammutministerien wohl seit ewigen Zeiten nichts geändert hat, noch Aussichten bestehen, dass hier jemals Durchlässigkeit und staubfreies Atmen garantiert werden könnte... Während die Begrüßungszeremonie geübt wird und sich der Referentinnenchor, in Reih und Glied aufgestellt, auf volkstümliche Heimatweisen einstimmt, ist stets eine der sechs Damen abgestellt, die Presseleute zu beruhigen, die auf Ergebnisse lauern, noch bevor die Sitzung begonnen hat. In durchaus kabarettreifen Variationen versuchen die Mitarbeiterinnen der Ministerien nacheinander die Meute von Journalisten ( das Publikum stellt hier die passende Kulisse her!) mit hinreichend bekannten Plattitüden und Phrasen ruhig zu stellen, was sie zwar, wie es scheint, mit einiger Routine und in sehr individueller Art bewältigen, aber doch stets voller Bangen vor der möglichen Panne einer etwas tiefer insistierenden unangenehmen Frage! Was sich in dieser Warteschleife so alles in den Köpfen der jungen Frauen abspielt, ist köstlich und mit melodiösen a-capella-Beiträgen aus alten und neuer Kompositionen gewürzt. Mit stimmlicher Brisanz, bedeutender Rhetorik und artistischem Körpereinsatz (z.B. wie man Akten auch alternativ hand- oder fußhaben kann!) servieren Astrid Kessler (mit scharf glänzendem Mezzo läßt sie Brahms und Händel klingen), Deborah Klein (der elegante Büro-Typ), Ursula Renneke (energisch als Vorgesetzte, diplomatisch für die Außenwelt), Bärbel Schwarz (als komische und vielseitig talentierte Entertainerin), Lydia Starkulla, Sabine Hilscher, Mariel Jana Supka (als ewig überehrgeizige und hilflos gebremste workaholikerin), schnelle Gags und Slapsticks auf einer mit lauter Altertümlichkeiten ausstaffierten Bühne. Die wird von einem Buffet mit üppigem Grünzeug - Trauben und Gemüse aller Art - und einem ebenso dekorierten Empfangstresen flankiert; diese wie auch die hell beleuchteten Porträts an der Wand, die an die gut getarnten Geisterbilder über Harry Potter Schlafsaal jederzeit aus ihrem Rahmen heraustreten könnten, stammen wie alles übrige Interieur noch aus einer Zeit, die sich mit den beiden barock ausstaffierten Damen (Irmtraut Horstkotte am Spinett) gut gehalten haben! Alles in allem: ein Hotel in einer Region, die bis zu diesem Zeitpunkt wohl seit Jahrhunderten in ihrer Abgeschiedenheit dahindämmerte. Hier gilt es nun, schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen - doch Vorlagen und Ablagen, "Wiedervorlagen" und Korrekturen, Zuständigkeiten und sich blitzschnell ändernde Meinungen sowie politische Strategien verurteilen die Referentinnen zu einem immerwährenden Sisyphusdasein - ihre intelligenten Ausarbeitungen landen bereits im Reißwolf, bevor sie beendet wurden. Welch ein Frust, welch eine Pein - welch ein Spaß, wenn man Bürokratie und Politik auf der einen Ebene, sowie berufliche Ambitionen, persönlichen Ehrgeiz und unausweichliche Enttäuschungen, die sich doch wohl auf jedem Berufsfeld stattfinden, auf der anderen Seite so einfallsreich und kritisch, so heiter und ambitioniert darbieten kann. Was wäre, so frage ich mich, wenn dieses kleine musikalische Schauspiel, möglicherweise unter Mitarbeit von Peter Lund, seine Bühnenfassung erhalten hätte? Dann wäre vielleicht ein schmissiges Musical daraus entstanden. Das nämlich ist der Stoff, aus dem modernes Musiktheater gezaubert werden könnte. Vielleicht demnächst in einer neuen Version? A.C.
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