| Glories of the Romantic Ballet |
Die Rückkehr der reinen Ästhetik
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Licht und Raum: Franck Evin Musikalische Leitung: André Presser Orchester der Deutschen Oper Berlin
Pas de Quatre
Choreographie nach Jules Perrot
Le Papillon
Musik: Jacques Offenbach Choreographie:
Pierre Lacotte für Marie Taglioni
La Vivandière
Musik: Cesare Pugni
Paquita
Choreographie nach Marius Petipa mit Polina Semionova, Dmitrij Semionov , Sebnem Gülseker, Ludmila Konovalova , Rainer Krenstetter, Elena Pris, Maria Seletskaja, Nadia Yanowsky, Elisa Carrillo Cabrera, Sarah Mestrovic, Nanami Terai
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Wie kostbarste Porzellanfiguren aus der berühmten Meissner- oder aus der edlen Berliner Manufaktur sind die vier Ballerinen gestellt, rosig schimmernd und unantastbar. Die Mittlere auf Spitzen, die anderen drei neigen sich ihr in zärtlich angeschmiegten Posen anmutig entgegen; sehr langsam löst sich das Kleeblatt, um feenhaft in den pastellblau ausgeleuchteten Raum zu entschweben. Das Uhrwerk läuft - musikalisch vielleicht nicht ganz so zart und zerbrechlich wie die in Tüll gehauchten Tänzerinnen in einer anderen Sphäre. Einst stellten diese Composition und Choreographie den Höhepunkt in der Tanzkultur des romantischen Zeitalters dar; das Publikum erlebte in diesem hingebungsvollen Divertissement eine bis dahin nie so erlebte, von den Haarspitzen bis zu den Zehen konzentrierte Körperbeherrschung. Dass der derzeitige Opernintendant und Ballettdirektor des Staatsballett Berlin, Vladimir Malakhov, ein Perfektionist, ein glänzender Choreograph und ein hoch sensibler Künstler ist, ist das Ergebnis des Ballet Russe. Wer je in St. Petersburg oder Moskau die großen Ballettdarbietungen erleben konnte, fühlt sich gleichsam an diesem Abend zeit- und raumversetzt, zurück in eine Epoche, in der einer sich frei entfaltenden Individualität strenge und starre Grenzen gesetzt waren. Für die vier ersten Elfen dieses Abends regnet es zum Abschluss ihrer federleicht hingehauchten Soli und einem schon beinahe unerträglichen harmonischen Zusammenspiel einen wahren Blumenregen. Ein Ballett, das ursprünglich - 1846 - für vier leidenschaftlich rivalisierende Primaballerinen kreiert worden ist: für Marie Taglioni, Charlotta Grisi, Fanny Cerritto und Lucie Grahn; in Berlin wurde es an der Deutschen Oper 1970 und Anfang der 80er Jahre getanzt. Und immer ist noch eine Steigerung der feinsten Nuancierungen, der Sprünge und Spitzendrehungen, der Pirouetten und anmutigsten Arabesken möglich, wie ihn jetzt in der Version von Pierre Lacotte und der Musik von Jacques Offenbach Jana Salenko und Dinu Tamaziacaru tanzen. Das alles ist nicht mehr von dieser Welt und läßt diesen perfekt ziselierten Pas de deux, der 1976 für die Pariser Oper rekonstruiert wurde, nun fern aller Sinnlichkeit und Erotik, denn wer hätte diese nun auch bei Schmetterlingen je beobachtet - eher gleicht das Werben und Flattern, das Flirren und Tändeln einem schwerelosen Spiel, einem vergnüglicher Lufttanz von Geisterwesen in den ersten warmen Frühlingstagen, in der alle Natur zu neuem Leben erwacht. Von faszinierender Brillanz sind die Kostüme in der dritten zauberhaften und phantasievollen Choreographie, in der fünf Tänzerinnen und ein Tänzer in immer neuen, übermütig beschwingten Variationen über die Bühnenfläche schweben, tänzeln, trippeln, die Diagonalen in weiten Sprüngen oder im höchst artifiziellen Spitzentanz durchmessen - eine Composition, die seit ihrer Rekonstruktion 1976 durch Pierre Lacotte (nach der Amerikanerin Anna Hutchinson-Guest) alle Compagnien der Ballett-Metropolen erobert hat: Vier Tänzerinnen führen den Reigen in leuchtenden schwarz-grün verzierten engen Miedern und schwingenden kurzen Röcken, während das Paar in einer Kostümvariation in Rot sich beschwingt in den Pas de six einfügt. Und das Auge weidet sich in diesem 1843 als La Vivandiera ed il Postiglione betitelten Original an den entzückendsten Marketenderinnen, die es wohl jemals gab. Paquita soll eine spanische Ballettpantomime sein, aber auf die Pantomime haben Malakhov und Valentina Savina in ihrer Zusammenstellung aus mehr als 17 der von Pepita choreographierten Variationen wohl verzichtet, um dem klassischen Vorführeffekt der reinen Form keinen Bruch zuzufügen. Immer wieder bejubelt werden die Herren Dmitrij Semionov und Rainer Krenstetter für ihre strahlende Eleganz, die virtuose Kühnheit ihrer Sprünge und Pirouetten und die Vitalität ihres Ausdrucks; für die Tänzerinnen, nebenseitig aufgeführt, deren wahrhaft hingebungsvolle und perfekte Tanztechnik, vereint mit einer atemberaubenden Ästhetik und betäubend überirdischen Sinnlichkeit, diesen Abend zu einer tief bewegenden Reminiszenz an das Klassische Ballett erheben, ohne seiner Süßlichkeit zu verfallen, wollten die Ovationen nicht enden. A.C.
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