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Tiefland
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Die Rache der verratenen Braut
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Musikdrama in einem Vorspiel und zwei Aufzügen; Dichtung von Rudolph Lothar nach Angel Guimeras katalanischem Schauspiel "Terra Baixa" Musikalische Leitung: Yves Abel; Inszenierung: Roland Schwab; Spielleitung Lou Ulla Brunk, Bühne Hans Dieter Schaal, Kostüme Renée Listerdal,, Dramaturgie Katharin John, Chöre William Spaulding; Tommaso: Magnus Baldvinsson, Moruccio: Simon Pauly, Pepa: Ditte Andersen; Antonia: Andion Fernandez, Rosali: Nicole Piccolomini; Nando: Paul Kaufmann; Eine Stimme: Andrey Malyk
Orchester und Chor der Deutschen Oper Berlin sowie der Bewegungschor der DO
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Im diffusen bläulich blassem Berglicht ertönt die Melodie eines Hirtenliedes. Kräftig und lyrisch zugleich schwingt sich die Oboe aus dem Orchestergraben hinaus zum Berghang, der sich konkav bis zur Bühnendecke wölbt und eine hockende Figur auf halber Höhe erahnen läßt. Die Musik weitet sich, sanft setzt das Orchester ein, und Streicher und Bläser bauen spannungsreich bereits ein weiteres, unheilvolles Motiv auf. Dann tritt eine zweite Figur auf, und die andere löst sich aus dem Nebelschleier, der nun eine imaginäre Bergwelt freigibt. Pedro, der eine der beiden Hirten, besingt seine Freiheit, sein Glück, das Leben in der Natur fern aller Menschen und seine tiefen Glauben an Gott. Nur eines fehlt ihm zu seinem Glück: die Wärme und Liebe einer Frau. Doch die Liebe, die ihm der Hirtenfreund als Unglück prophezeit, kommt schneller als er ahnt. Als der Patron Sebastiano, dem aller Grund und Boden - und alle Menschen in absoluter Leibeigenschaft - in weiter Umgebung gehören, dem weltfremden Pedro eine Frau und die Stelle als Müller verspricht, folgt Pedro ihm voller naiver Begeisterung ins "Tiefland" - in ein Mühlengehäuse, die voller scharfer Zacken und Kanten ist! Das Stück spielt
um 1905 und basiert auf einer katalanischen Erzählung, die das Leben der
geknechteten leibeigenen Bauern unter dem Despotismus der Feudalherren
auf dem weiten Land beschreibt. Eugen d'Albert hat die Geschichte
aufgegriffen und musikalisch erweitert, verfeinert und ein spannendes
musikalisches Drama daraus gezaubert. Roland Schwab hat mit einfachen
kunstvollen Bühnenbildern und choreografisch abgestimmten
Regiearrangements das Drama seinem reinen romantisierenden
Heimat-Zeitgeist enthoben und in psychologisch und gesellschaftlich
feine Netze eingewoben. Das bringt wie guter Opernstoff nun allerlei Konflikte mit
sich, die, musikalisch hoch potenziert, das Elend und die Not der
gequälten Menschen spürbar machen; aber auch ihre Kraft, sich der
gemeinsten Erniedrigung zu widersetzen, wird geweckt! Atmosphäre, Emotionen,
Situationen verdichten sich mit unmittelbarer Eindringlichkeit in einem
spannungsreichen Wechselspiel. Aus dem harmonischen
unschuldigen Hirtenmotiv des Anfangs türmt sich nach und nach ein wildes
kämpferisches Tutti auf - ein musikalisches und szenisches
Miteinander der Verzweiflung, der Wut, des Aufbegehrens und schließlich
des Sieges, der aber nur mit Schuld errungen werden kann. Pedro, der als Hirte allein gegen einen hungrigen Wolf, der seine Lämmer riss, einen lebensbedrohlichen Kampf gekämpft hat, sieht sich jetzt einer anderen Art von wilden Tieren, von Wölfen gegenüber; und sein erprobter Überlebenswille ist mächtiger als alle christlichen Gebote. Kunstvoll ineinander verwoben sind hier die Schicksale verschiedener Menschen und gesellschaftlicher Zustände, die auf dringende Erlösung und Veränderung harren; wer aber kann das bewältigen? Die "Unschuld" der in Freiheit lebenden Menschen - wie Pedro - und letztlich auch der all ihrer Würde und ihre Stolzes beraubten Marta, die sich mit letzter Kraft gegen die sexuelle und existenzielle Abhängigkeit ihres "Herrn" auflehnt? Und während die Chor-Menschen mit hohlen Augen und Wolfsmasken am Gatter geifern und sich die Lefzen lecken, kämpfen Pedro, Marta und Sebastiano einen tödlichen Kampf um und gegeneinander zwischen den Polen einer alten Ordnung und ihres Zerbrechens. A.C.
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