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Tschaikowsky (1840-1893) von Boris Eifmann; Musik von Peter Tschaikowsky |
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Choreographie und Inszenierung: Boris Eifmann Tänzer: Tschaikowsky: Vladimir Malakhov; sein Alter Ego/Drosselmeier: Ronald Savkovic; Nadesha von Meck, Carabosse, Pique Dame: Beatrice Knop; Tschaikowskys Frau: Nadja Saidakova; Prinz/Junger Mann/Joher: Marian Walter; Mädchen: Iana Salenko sowie das Corps de ballet Tschaikowsky gilt als bedeutendster Komponist der westlich orientierten russischen Schule. Seine Kompositionen wurden unter anderem durch die Werke Mozarts und Chopins beeinflußt. Sein Schaffen umfasst Orchesterwerke, Solokonzerte, Kammermusik, Klaviermusik, Ballette und Vokalwerke.
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In diesen getanzten Bildern, die das Leben und Leiden eines großen Künstlers vor uns ausbreiten, stellt sich ein Gefühl des Staunens ein, sich jäh tief in der Psyche eines anderen Menschen wiederzufinden, einem fremden Schicksal so nah zu sein als ob es sich jäh wie ein Abgrund vor dem Betrachter auftut. So wie sich hier Noten und Bewegungen miteinander zu Bildern verbinden, um dem Fremden ohne Scham Einblick in unendliche Seelentiefe zu gegeben. Ein Buch, dass offen daliegt, die prachtvoll ornamentierten Seiten werden umgeblättert, viel zu schnell, dennoch erfassen Auge und Ohr gleichzeitig, was die von Tönen vorangetriebenen Körper auf der Bühne erzählen. Ihr Ausdruck ist unzweideutig; er ist alles, was Musik sagt, und die Musik ist alles, was die Seele ihres Schöpfers nicht in Worten auszudrücken vermag. Leben und Leid, Lust und Entsagen, schmerzvolle Sublimierung all jener Triebe und Gefühle, die Tschaikowsky zu jenen Zeiten nicht ausleben konnte und durfte - fast ist es unerträglich, so ein Leben, so ein Getriebensein, so einen künstlerischer Drang zu verfolgen, so ein Übermaß an Liebesverlangen und so eine verzweifelte Ausweglosigkeit, das Unmögliche weder geben zu können, noch verlangen zu dürfen. Ein Leben am Rande und doch inmitten einer Gesellschaft, die Konventionen mehr achtet als ein Menschenleben; die die Kunst liebt und nicht sieht, was sich hinter ihrem schönen Schein verbirgt. Alle Ballette, alle Kompositionen von Peter Tschaikowsky sind von dieser glühenden Liebe zum Bild durchzogen, das im Tanz die Wirklichkeit in einer neuen Form findet. Boris Eifmann, der sich in die "großartige fesselnde Musik von Peter Tschaikowsky und seine zutiefst ergreifenden Briefe" vertiefte (an seine Frau und seine Freunde), läßt uns in dieser Ballettversion die komplexe Persönlichkeit dieses hochgradig empfindsamen russischen Künstlers erahnen. Tschaikowskys innere Zerrissenheit
zeigen zwei Tänzer, Vladimir Malkhov als der Komponist und Ronald
Savkovis als sein zweites Ich, mit atemberaubender Hingabe und
Hingerissenheit. Ihre Sprünge, Dehnungen, Schritte, Figuren sind ein
einziges leidenschaftliches Aufbegehren gegen die moralische Unfreiheit,
die gesellschaftlichen Zwänge (Beatrice Knop als herrische,
machtvolle Mahnerin in verschiedenen Frauengestalten) wie der inneren
Hemmnisse glaubhaft und sichtbar werden. Es scheint Malakhov (P.T.) die
Luft abzudrosseln, wenn sein Alter Ego just in jenen Augenblicken seinen
Leib umfängt und ihm sein Herz abschnürt; nähert er sich der Frau, hält
ihn sein zweites Ich gefangen, nähert er sich einem geliebten Jüngling,
wird er wie von Tentakeln des Alter Ego umschlungen und gefesselt. Es
sind weit über das klassische Bewegungsrepertoire hinausgehende,
sinnlich-ästhetische Szenen von höchster Qualität in diesem
atemberaubenden Ballett, dass sich durch Kraft und Vitalität, aber
zugleich durch derart starke Empfindsamkeit auszeichnet, dass sich ein
neuer Zugang zu dem großen Komponisten eröffnet. Ihn lähmen gleichsam
Bitterkeit und Verwirrung über die erzwungene Heirat, und
Malakhovs Ausdrucksstärke zeigt sich immer wieder in solch
entscheidenden - versagenden - Lebensmomenten, in denen er seinen Körper
zusammenbrechen und alle Sprungkraft, allen Lebensmut aus seinen Adern
herausfließen läßt, so, wenn er am Arm seiner verschleierten Braut diese
Zeremonie über sich ergehen lassen muß. Und Nadja Saidakova wirbelt
furios, bieg- und beugsam wie eine Feder in der Luft, um nicht auf den
Boden ihrer unerfüllten Liebe zu fallen, in ihr leeres Bett, das sich
nur in Träumen mit Lust und Seeligkeit füllt. Sie kämpft mit der Hingabe
der letzten Verzweiflung, nun schon mehr sich dem kühlen, kranken Mann
opfernd, der seine totale Verweigerung nicht erklären kann, nicht darf.
Dass sich seine Frau zum Schluß wie eine Witwe, des Haares beraubt, von
den glücklichen Ehefrauen verabschiedet, greift bis ins Mark.
Es ist die seit anderthalb Jahren Zeit wohl eindrücklichste, empfindsamste, aber auch technisch anspruchsvollste Choreographie im Repertoire des Staatsballetts. Und das nicht nur wegen Vladimir Malakhov, der endlich wieder auf der Bühne steht und mit einer hochwertigen künstlerischen Mannschaft das Berlin Ballett in die Weltspitze gebracht hat!
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