34. Bundeswettbewerb Gesang: Musical, Chanson, Song

Berlin 2005

 

Die Künstler sind da - aber wo bleiben die Stücke?

    im Friedrichstadtpalast

Moderation: Götz Alsmann

Band: Adam Benzwi

  Bundeswettbewerb Gesang

Hauptwettbewerb: (23-28 Jahre)
Fachgebiet: Musical
1. David Arnsperger, 23, Berlin
2. Joana Fee Würz, 24, Würzburg
3. Marco Fahrland, 26, Leipzig

Sonderpreis des Deutschen Bühnenvereins für die beste Darstellung einer Musical-Szene: Julia M. Klotz, 25, Leipzig
Sonderpreis der Franz-Grothe-Stiftung: 
Filipina Henoch, 23, Berlin

Fachgebiet: Chanson/Song

1. Wolfgang Türks, 25, Wien
2. Christiane Klimt, 23, Berlin
3. Maria Thomaschke, 28, Berlin

Sonderpreis der Familie Benatzky: 
Benjamin Eberling, 25, Berlin
Gisela-May-Chansonpreis: Sophie Berner, 21, München

Juniorwettbewerb (17 bis 22 Jahre)

1/2.. Sophie Berner, 21, München und Jens Petersen, 22, Hamburg
3. Krisha Dalke, 18, Essen
weitere Förderpreise an:
Corinna Ellwanger, 20, Leipzig; Annika Firley, 19, Mark; Andreas Röder, 21, Berlin

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  Sie können spielen, singen und tanzen, sie sind jung und voller Temperament und Begeisterung, sie stehen auf der großen leeren Bühne des Friedrichstadtpalastes wie Profis und begeisterten Jury und Publikum - präsentiert von einem liebenswürdigen Moderator und musikalisch feinfühlig und exakt begleitet von Adam Benzwi (Klavier und musikalischer Leiter) und seiner Band. Götz Alsman stellt die jungen Preisträger an diesem Abend mit viel Humor und manch nostalgischem Rückblick sowie eigenen kleinen musikalischen Einlagen vor - man darf seinen Worten getrost Vertrauen schenken: Diese jungen Künstler sind auf einem vielversprechenden Weg ins Showgeschäft, zu den Musical- und Operetten- und Kleinkunstbühnen Deutschlands, Europas... Einige haben auch schon Engagements, wie die beiden Darsteller der entzückenden Kinderoper "Pechvogel und Glückskind" an der Neuköllner Oper. Viele begannen ihre Karriere nach diesen Bundeswettbewerben. Das verwundert nicht. Denn die Preisträger treten so souverän und gekonnt mit ihren Musical-Darstellungen etwa aus "Die Schöne und das Biest" oder "Chicago" oder aus "Victoria und der Husar" ins Rampenlicht, dass man meinen könnte, sie würden nun vom Platz weg engagiert.

Interessanterweise zeigen eigentlich alle sehr unterschiedliche Talente und Begabungen, bewegen sich in so verschiedenartigen Ausrichtungen, dass sie zusammen einen guten Querschnitt durch die Möglichkeiten und Anforderungen dieser Theatersparten vermitteln. Da gibt es die starken Sängerpersönlichkeiten, deren Stimmen bereits eine genaue Charakterisierung ihres künftigen Fachs voraussagen, da gibt es die Poeten, die Dramatiker, die Sensiblen und Leisen ( die aber gefährlich werden, wenn sie z.B. so eine schrecklich bitterböse Satire von Hollaender/Bizet: "Der Jude ist an allem schuld" beispielsweise mit soviel Anmut und   kindlicher Naivität vortragen, das es einem kalt den Rücken hinunterläuft... Da gibt es die Fesche, die den ganzen Montmartre herunterwirbelt, die Leidenschaftliche, die man sich gut auch im schweren Opernfach vorstellen könnte, da ist der Macher und Macho, der ohne Probleme die ganze Bühnenfläche beherrscht und ausfüllt, und da sind   die wunderbaren weichen und melodiösen Männerstimmen, die hohen, hellen Lagen der Frauen, die ein sich steigerndes Volumen einsetzen können. Und natürlich sind da einige  ganz exzellente Tänzer, die Kraft, Eleganz und Technik zum ästhetischen vergnügen machen.

Das alles ist nun schön und gut - hohe Geldpreise werden an die jungen Künstler vergeben, damit sie ihre Ausbildung weiter vervollkommnen können - doch da bleibt ein kritischer Gedanke: Wo bleiben eigentlich die Stücke, die Schriftsteller, die Künstler-Dramatiker, die für dieses Genre ebenso kunstvoll schreiben und gute Vorlagen bieten können? Sicher, es gibt auch Autorenwettbewerbe, aber deren Sieger landen meistens an den ernsten Bühnen. Die leichte Muse, die so gleichviel Schönheit wie Traurigkeit aus der Wirklichkeit zu ziehen versteht, aber das Leben in all seinen Facetten darstellt - dazu gibt es nur wenig neue Literatur. A.C.