Wie einst im Mai

von
Walter und Willi Kollo 

 Die große Berlin-Operette

 

  

 Vom Operetten-Oldie 

zum frischen - Kultmusical 

 

    

Eine musikalische Familiengeschichte

Uraufführung: 4.10.1913 im Berliner Theater in Berlin, Uraufführung der überarbeiteten Fassung von Willi und Walter Kollo 1943 im Theater des Volkes in Berlin

Neufassung 2005 von Christian Struppeck
& Andreas Gergen für das

Schlosspark Theater

 Regie: Andreas Gergen
Musikalische Einstudierung, Neufassung und Orchestrierung: Steven Gross
Choreographie: Danny Costello
Bühnenbild: Christoph Weyers
Kostüme: Regina Schill
Maskendesign: Günter Schoberth

 Darsteller: Dagmar Biener, Matthias Freihof, Tobias Bonn, Vasiliki Roussi, Andreas Mannkopff, Horst Schultheis, Georgina Chakos, Marta Helmin, Jens Janke, Michael Chadim

Musiker: Andreas Peschel, Kanae Togi, Tansie Mayer, Henry Osterloh

 

 

 

 

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 Frühlingsfrisch wie April und Mai zusammen präsentiert sich dieser Oldie, dessen Noten beinahe im Kellerarchiv des alten Schillertheaters vermodert wären, hätten sie die beiden Regisseure und Schauspieler Gergen und Struppeck nicht eines Tages für sich entdeckt und sich voller Elan an die Aufarbeitung gemacht.

Natürlich sind die alten evergreens, die Vater Walter und Sohn Willi Kollo in selten einträchtiger familiärer Zusammenarbeit komponierten und für gut ein Jahrhundert in die Köpfe der Berliner pflanzten, allen   Generationen gegenwärtig: "Das war in Schöneberg, im Monat Mai", "Unter'n Linden, unter'n Linden" oder "Die Männer sind alle Verbrecher"... Was kennt man noch? "Was eine Frau im Frühling träumt..." oder "Lieber Leierkastenmann" ... Unzählige Schlager, Chansons, Tanzmusik, Kabarett-und Filmmusiken - herzergreifend, frech und witzig, immer eingängig, zum Mitsingen, Pfeifen -  ein kulinarisches Menü nicht nur für die Volksseele, für jedes Temperament, jede Situation und jede Stimmlage geeignet,  herzergreifende Tenorvorlagen! Sie waren Tausendsassas, Vater und Sohn; der Enkel René Kollo trat später als großer Opernsänger das Erbe seiner Väter an...

Wie man allerdings den Staub von den alten Noten fegt und die story so aufmöbelt, dass aus einer alten Operettendame ein verführerischer, knackfrischer Teenie wird, das ist das Geheimnis und die Kunst einer ziemlich umfassenden Mannschaft (samt Kreativteam) - also von Musikern, Schauspielern, Choreographen, Kostüm-Masken- und Bühnenbildnern. Sie haben die nicht allzu große Drehbühne des Schlosspark Theaters mit wenigen effektvollen Elementen geschickt genutzt. Das jeweilige Ambiente wird nur bildhaft angedeutet, aber dafür schwelgt die Aufführung in prachtvollen Kostümen, die allein genügen, um sich die Zeit vorzustellen, die Walter Kollo sowohl zunächst im alten Ostpreußen als später auch im alten Berlin erlebte: Unüberwindbare Standesgrenzen in der gesellschaftlichen Zugehörigkeit, Hochmut und Niedergang des Adels, aber auch der technische Aufbruch in eine neue Zeit, in der Bahn und Automobilein neues Tempo bestimmten...
Mit rasantem drive, viel Herz und flotter Musik spult nun die alte Geschichte ab - von der unglücklichen Liebe zwischen der jungen Baronesse Ottilie (mit entzückendem Charme, frischem Timbre, liebreizender Ausstrahlung: Vasiliki Roussi) und dem armen  Jugendfreund Fritz (Matthias Freihof äußerst wandlungsfähig wie alle Mannsbilder hier im Spiel...), der mit gebrochenem Herzen, aber mit frischem Unternehmergeist Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika auswandert, wo er seine handwerklichen Fähigkeiten klug zu nutzen weiß. 20 Jahre später kehrt er als gemachter Mann nach Berlin zurück, wo er die alte Adelssippe total verarmt und das geliebte Mädchen an ihren standesgemäßen Cousin Cicero verheiratet wiederfindet. (Jens Janke umgibt diesen arroganten Spross von Henkeshofen mit einem köstlichen Flair von Dekadenz).

Eingebunden in die Geschichte von selbstverliebten Mitgiftjägern und geprellten Damen sind die unvergleichliche Dagmar Biener, die ihrem windigen, sehr viel jüngeren Ehemann (Tobias Bonn in jeder Rolle ein Unikum) allerdings nur eine böse Miene entgegensetzen kann. Dessen Geliebte Angostura (Georgina Chakos) setzt ihm dagegen mit gefährlichem Temperament und extravaganten Darbietungen zu, aber auch dadurch ändert er sich nicht. Der Edelmann bleibt, was er immer war: charmant, untreu und stets in Geldnöten. Andreas Mannkopff erspielt sich als Vater und Regisseur einige Lacher für insider (die wohl mit dem Habitus von Regisseuren gut vertraut sind); und Horst Schultheis zeigt als Justiziar des blaublütigen Clans ein berufsorientiertes Gespür im Auffinden neuer Geldquellen. A.C.