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Draussen tobt die Dunkelziffer von
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Auch der Kredithai, der hat Zähne! Kein Ausweg aus der Schuldenfalle |
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Regie: Stephan Müller Bühne: Hyun Chu Mit: Anya Fischer, Monika Lennartz, Ruth Reinecke, Ursula Werner, Thomas Bischofberger, Silvio Hildebrandt, Wolfgang Hosfeld, Rainer Kühn, Thomas Müller und vielen anderen Kurz gefaßt: Ein kurzweiliges, kritisches und zum Teil auch amüsantes Faltblatt bundesdeutscher Kreditauswüchse. Die nachdenklichen, nicht immer leicht verständlichen Gedanken der Autorin zur "Schuldenfalle" werden in feinster Weise szenisch und schauspielerisch umgesetzt. Eine bemerkenswerte Aufführung! |
Die Aufführung
beginnt mit einem Überraschungscoup und bleibt auch zwei Stunden lang
den Zuschauern keine Kurzweil schuldig. Obwohl das Thema bitterböse ist
- nämlich die Verschuldung vieler Menschen bis sie im Abseits der Gesellschaft
landen -, wird es so phantasievoll inszeniert, wie man es bei
politisch ambitionierten Regisseuren bisher selten erlebte. Da ist die Frau, die sich in ihrem Kaufrausch ins Unglück gestürzt hat; der Mann, der alles und jedes mehrfach kauft. Da sind Menschen, die der verführerischen Konsumvielfalt nicht zu widerstehen vermögen. Sie haben zwar eine Krankheit, aber es geht auch um eine Verführung für all jene, die plötzlich vor einer Aufgabe des Lebens stehen, der sie nicht gewachsen sind: Nein zu sagen, eigene Verantwortung zu übernehmen, sich abzusichern, die Konsequenzen zu hinterfragen. Kredithaie, Banken, Versandhäuser, Werbung gehören zu den großen Verführern einer schwachen und wehrlosen Klientel, das an den zu spät erkannten und letzthin nicht mehr überschaubaren Modalitäten zerbricht. In so sitzen sie schließlich ausweglos in der Schuldenfalle. Spiel und Alkohol, Kaufsucht, Selbstüberschätzung,. Gescheitere Existenzen stehen vor den unerbittlichen Verwaltern des Gesetzes, der Geldinstitute, der Behörden, der Justiz. Was zuletzt kommt: der Bittgang zum Sozial-, zum Arbeitsamt. Und dort? Werden sie weiter geschickt, zum nächsten Vermittler, zur nächsten Zuständigkeit. Das große kleine Spiel ist aus. Musikalisch wird dieser facettenreiche Bilderbogen abwechselnd von herziger Romantik und harten Beatrhythmen untermalt, die sich - nun doch mit einiger Brutalität - bis zum unerbittlichen Dröhnen einer Zuges steigern, das ihre Proteste und Hilferufe übertönt. Die Schauspieler des Gorki-Theaters werden in einem Maß gefordert, wie es bisher eher ungewöhnlich war. Sie müssen nachdenkliche, poetisch-intellektuell verdeckte Texte darstellerisch umsetzen, aus Gedanken und Reflektionen eine Geschichte transparent machen - und sie tun das mit Bravour! Regisseur Müller und sein Team übertragen phantasievoll, zugleich sparsam und nachhaltig ein politisch und menschlich brisantes Thema auf Theaterformat. A.C. |