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Eine Liebe in Deutschland von Rolf Hochhuth Uraufführung |
Wider das Vergessen: Kriegsleid auf dem Tablett der Vergangenheit |
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Spielfassung von: Musik Barbara Weiser mit: Lado Grebenschek als Stackman); Alexander Grebenschek, als
sein Sohn Gustl; Katrin Schell als dessen Frau und als Elsbeth
Schnittgens; Ausschnitte aus einer längst vergangenen und immer noch gegenwärtigen kurzen Zeit des Glücks und einer langen Zeit des Unglücks - die verbotene Liebe zwischen einer deutschen Gemüsehändlerin und einem polnischen Kriegsgefangenen 1941 wird entdeckt und schrecklich bestraft. Rolf Hochhuth zu Ehren seines 75. Geburtstages uraufgeführt. Im Gegensatz zu vielen neuen Stücken nicht sehr spektakulär und doch erschütternd. |
Die verbotene Liebe zwischen einer deutschen Gemüsehändlerin und einem polnischen Kriegsgefangenen 1941 wird entdeckt und schrecklich bestraft. Rolf Hochhuth zu Ehren seines 75. Geburtstages uraufgeführt. Nicht sehr spektakulär und doch erschütternd. Diese Liebe könnte auch andernorts so tragisch geendet sein: in Frankreich, England, Italien, Spanien - überall dort, wo Kriege Schicksale bestimmten, Charaktere bloßlegten und Herzen zerbrachen, wo sich eine Liaison zwischen Einheimischen und Gefangenen entwickeln konnte. Auch Kollaborateure wurden in allen Ländern hart bestraft, mit dem Tode, mit Gefängnis und Straflager, mit Diffamierungen und Ausgrenzung. Es ist das alte, grausame Thema: nie endende Feinseligkeiten zwischen den Völkern fordern auch in der Zivilbevölkerung ihreOpfer. Rolf Hochhuth, der 2006 75 Jahre alt wurde und dem zu Ehren nach dem Schlosspark Theater auch das Theater '89 eines seiner Stücke mit beachtlichem Niveau inszeniert hat, wurde in seinem gesamten Theaterschaffen von der Wut auf Kriegsgräuel, Willkür und Amoralität getrieben. Er schrieb die heftigsten Angriffe gegen politische Unlauterkeit, gegen Kriegsverbrechen und Kriegsverbrecher, gegen Willkür von Staat und Wirtschaft. Er stellte sich gegen alles, was seinem hohen moralischen Anspruch nicht entsprach. Und seine Stücke waren einige Zeit auf deutschen Bühnen sehr begehrt. In diesem Drama, das im Jahr 1941 im Dorf Brombach im Markgräferland spielt, beschreibt Hochhuth die Leidenschaft zwischen einer jungen Kaufmannsfrau mit zwei Kindern, deren Mann im Krieg ist, und einem jungen Polen, der für die Deutschen als Gefangener in dem Dorf nahe der Schweizer Grenze arbeitet. Ein Wehrmachtsoffizier gibt sich jovial freundlich und vollzieht doch als tiefgläubiger Bürokrat all die Kriegsreglements, die die Liebesgeschichte der beiden zu einer Tragödie werden lassen. Denn die junge Frau verrät sich selbst durch allzu offen dargestellte Glückseligkeit, ihre Kollegin verrät sie an die Behörde, und der Liebhaber wird nach exstrem ausgelegten und vielleicht schon gar nicht mehr gültigem Paragraphen gehenkt. Das muss in aller Perfidie ein polnischer Landsmann und Mitgefangener besorgen, denn die Deutschen wollen sich nicht mit solcher Schande beflecken. Das wäre nun fast schon eine Geschichte, die man leider zur Genüge kennt - aber das erfindungsreiche und mit hervorragenden Schauspielern besetzte Theater '89 hat eine beklemmend eindringliche Darstellungsform konzipiert - in Gemeinschaftsproduktion mit polnischen Schauspielern, die in ihrer Muttersprache sprechen und singen: ein vierstimmiger, teils volkstümlicher, teils sakraler Chorgesang mit einem leisen wehmütigen Klang, der die desolate Situation der Gefangenen besser wiedergibt als jede verzweifelte Auseinandersetzung. Die Handlung wird beinahe protokollartig in Szenenausschnitten meistens in einer Guckkastenbühne dargeboten. Jede Erinnerungssequenz wird wie ein kurzer filmischer Spot wird neu belichtet, sozusagen aus dem Dunkel des Vergessens hervorgeholt und den Zuschauern wie auf einem Tablett der Vergangenheit serviert. Hochhuth hat die Zeugenaussagen, die er sorgfältig für seine Dramen auswertete und denen es ja an wirklichkeitsnaher Beispielhaftigkeiten nicht mangelt, mehr als einmal hiterfragt und vor allem die späteren Angaben von Betroffenen oder Täter vor Gericht bezweifelt. Er hat sich seine eigene Meinung gebildet - bekräftigt durch historische Protokolle, Gerichtsverhandlungen und schriftstellerische Vorlagen. Es gibt in diesem klaren Beispiel von gnadenloser Härte auf deutscher Seite keinen noch so kleinen Trost, weder etwa Zeichen einer Zivilcourage der Wirtsleute, die den Polen beherbergten, noch letztlich eine Verweigerung des polnischen Landsmannes, der dem furchtbaren Befehl des deutschen Kommandeurs folgen muss, will er nicht den eigenen Kopf verlieren: kein Lichtblick in eine bessere Zukunft der Menschheit. Es gibt keine Gnade, kein Entrinnen, keine Perspektive, nur einen schrecklichen stummen Aufschrei wie bei Edvard Munch... Das Urteil wird vollstreckt, weil das Gesetz es angeblich so befiehlt. Und die Frau, die Geliebte, wird ihrer Kinder und ihrer Ehre beraubt und muss im Straflager schreckliche Erfahrungen machen... Drei gealterte Personen werden sich Jahrzehnte später - scheinbar - mühsam an diese Begebenheit erinnern; und es ist, wie es immer ist: keiner war so recht schuld; was denn hätten sie tun sollen, ausrichten können? Keiner hat Verrat geübt, keiner konnten den Unglücklichen helfen, die sich ja selbst in diese Situation gebracht hätten... War und ist dies die Botschaft? Die Menschen sind untereinander nicht und niemals solidarisch, sondern neidisch, feige und niederträchtig.?! Das wäre mir zu wenig. A.C. |