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Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand nach Motiven und Szenen von Rolf Dieter Brinkmann
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Eine theatralische Expedition Szenenmontagen und Gedankenflüge unter dem Himmel von Brandenburg |
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Eine Produktion der Stiftung Schloss Neuhardenberg in Zusammenarbeit mit der Volksbühne Berlin im Schlosspark Neuhardenberg Weitere Aufführungen: 19.,24.,25.,26. August, 19.30 Uhr
Inszenierung: Martin Wuttke Kostüme: Nina von Mechow mit: Kathrin Angerer, Bernhard Schütz, Jonathan Meese, Volker Spengler, Lilith Stangenberg, Martin Wuttke und Rooney
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Brinkmann also und Meese und Wuttke - Volksbühne par Excellanze: eine Symbiose von Gedankensplittern in Inszenierungsmontagen, choreographiert wie ein Landschaftsmodell; eine Persiflage auf ein Westerndasein, das wohl in der Realität eher dem Chaos einer anarchischen Gemeinschaft ähnelt, die sich hier unter frühem kühlen Nachthimmel einen Platz zum Überleben gesucht hat. Authentisch bleiben: die Weite, die emotionale Einsamkeit und sprachliche Begrenztheit, die tägliche Fron harter Arbeit, der Tod, die Härte der Existenz insgesamt, die auch keine Zärtlichkeit mehr in der Liebe kennt. Der Großvater, als skurrile schwere Frau verkleidet (Volker Spengler), ist für das Baby zuständig, das er im strohgepolsterten Kinderwagen, unergründlich norddeutsch vor sich hin philosophierend, über das feuchte schwere Gras schiebt, das, mit Gräbern durchbrochen vielleicht an die vielen schrecklichen Schlachten im brandenburgischen erinnern soll... Ob und wie alles zusammenpasst, bleibt das Abenteuer eines Puzzlespiels, das vielleicht eines Tages, vielleicht aber auch niemals zum Aufstand führen wird. Doch eben der wird auch hier nicht präzisiert. Denn gegen wen soll und kann er geführt werden? Gegen sich selbst und die eigene Unfähigkeit, den Aufstand zu vollziehen, so könnte man Brinkmann interpretieren; gegen die Passivität der Gesellschaft und die politischen Zustände, finden sicherlich die gegen alle Welt wütenden Wuttke und Co; gegen die Falschheit historischen Glorienscheins, wie uns die Ausstellung im Schloss verkünden möchte. Dort nämlich hat Jonathan Meese mit brutalen schwarzen schweren Strichen die glanzvollen Porträts angeblich großer Feldherrn zu Preußens Zeiten karikiert und konterfeit. Wie er überhaupt die hervorragend dokumentierte Darstellung der Grausamkeiten früherer Preußenkönige auf eine banale Art sichtbar macht. Zur Ausstellung: Grundling, Meese, Erzstaat Denn erschütternd ist die Dummheit und Willkür der Herrschenden, von Königen und Despoten jedweder Art; ergreifend das Schicksal, der gebeugte Stolz und die geschundene Psyche ihrer Opfer wie die des Wissenschaftlers und Akademiepräsidenten Jacob Paul von Gundling (1673-1731) und des Kronprinzen Friedrich, die aber fähig und in der Lage waren, diesen Misshandlungen auf ihre Weise zu trotzen; der eine fügte sich scheinbar in das Schicksal, des Königs Narr zu sein, der andere entwickelte sich infolge dessen als ebenfalls grausamer Nachfolger. Die Demaskierung der königlichen Brutalität gegenüber den wahrhaft Großen des Geistes und der Wissenschaft ist zwar längst durch viele Historiker erfolgt; dazu bedarf es keines Meese und Heiner Müller, der in diese Ausstellung per Video eingespielt wird; Seit Heinrich von Kleist spätestens war der intellektuelle und künstlerische Protest offensichtlich, wenngleich auch ungemein gefährlich und leider genauso wenig effektiv wie die heutige Protestflut der Medien, die sich gegen alles und jedes richtet: Klimawandel, Umweltzerstörung, Folter, Raucher, Tierseuchen, Milchpreiserhöhung. In diesem inflationären Protestiergehabe geht verloren, was nur Künstler und Narren mit ihren oft missverstandenen Methoden aufzudecken vermögen: die Überwindung der oft niederdrückenden Realität, die Kompensierung der Ohnmacht angesichts unserer Hilflosigkeit gegenüber allen Missständen durch die Kraft der geistigen und künstlerisch-mutigen Auseinandersetzung. Denn das ist die Absicht dieser Präsentation in Neuhardenberg: Irgendwann die Verehrung vermeintlicher Helden durch eine ihrem realen Verhalten gemäße Beurteilung zu korrigieren. A.C. |