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Frost/Nixon
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Ein Kampf auf der unnützen Seite des Lebens
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Leider gastierten die Hamburger Kammerspiele mit ihrer bemerkenswerten Inszenierung und den brillanten Darstellern nur drei Abende im Schlosspark Theater. Zu hoffen bleibt, dass man sich nach dem immensen Publikumserfolg noch einmal entschließt, in Berlin zu spielen
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Historische Vorgeschichte: Drei Jahre lang schwieg Richard Nixon nach seinem Rücktritt in Folge der Watergate-Affäre, doch im Sommer 1977 ließ sich der stahlharte und überaus redegewandte Ex-Präsident auf eine exklusive Reihe von Fernsehgesprächen ein, um über seine Amtszeit zu sprechen. Die Erwartungen waren hoch, Einzelheiten über die Hintergründe des Spionagefalls zu erfahren. Nixons überraschende Wahl für den Moderatoren der Sendereihe fiel auf den bis dahin eher als windig bekannten britischen Moderator und Entertainer David Frost - wahrscheinlich in der Hoffnung, leichtes Spiel mit ihm zu haben, um sich so ohne große Gegenwehr einen Platz in den Herzen und Köpfen der Amerikaner zurückerobern zu können. "Frost/Nixon" - von Peter Morgan zunächst als Theaterstück geschrieben und erst dann als Film dramaturgisch aufgearbeitet - blickt vor und hinter die Kulissen dieser denkwürdigen Begegnung, die für beide zum öffentlichen Moment der Wahrheit wurde. (Quelle: wikipedia)
Beide sind keine Männer zum
Kuscheln. Knallhart und rhetorisch versiert, hellwach und konzentriert,
blitzgescheit und angriffslustig - kämpfen zwei Repräsentanten des
amerikanischen Volkes um ihre Reputation, um die Macht, jeder auf seine
Weise: der Ex-Präsident Richard Nixon und der TV-Entertainer David
Frost. Auf der Bühne: Volker Lechtenbrinck als eben dieser geschickt
lavierende, geldgierige, machtsüchtige abgehalfterte 37.Präsident der
Vereinigten Staaten, der seinen persönlichen Imageschaden noch einmal,
ein letztes Mal aufzupolieren versucht. Lechtenbrink ist nicht nur
äußerlich großartig verwandelt, sondern er hat auch die unbedingte
Leidenschaft, den scharfen Humor, die geschickte Hinterhältigkeit, die
man in politischen Kreisen "Diplomatie" nennt. Spürbar mit jedem Wort
und jeder Geste, die er dem Ex-Präsenten abguckte, hat er sich dessen
außerordentliche Medienpräsenz einverleibt.
Was der Amerikaner nun überhaupt nicht
verkraften konnte und sicher auch weiterhin als totalen Gesichtsverlust
sieht, sind politische Unlauterkeit, Verlogenheit und
Betrug, wie ihn der skrupellose Selfmademan Nixon nach knapp sechs
Präsidentschaftsjahren (1968-1974) im Wahlkampf am politischen Gegner
verübte - indem er seine Leute in die Büros der Opposition einbrechen
und Wahlkampfakten als Munition entwenden ließ. Und genau dies war das Problem von Frost und seinen Mitarbeitern, allesamt hochbegabte Journalisten und Autoren. Nämlich Nixon den Boden der außenpolitischen und persönlichen Darstellung zu nehmen, die er allerdings rhetorisch ebenso penetrant wie brillant zu behaupten verstand. In der Theaterversion hat es Lechtenbrink mit seiner volltönenden und dröhnenden Bassstimme zudem noch viel leichter als der originale Nixon. Er braucht nur einige Phonstärken mehr, um seinen Interviewer unhörbar in den Hintergrund zu stoßen. Ganz klar gehen in diesem Match die ersten Runden an den Ex-Präsidenten und seinen geschickt taktierenden Berater, der die Unterbrechungen der Aufzeichnung genau zu timen weiß und dessen Verstand Nixons Scharfsinn ebenbürtig ist. Beide sind zuversichtlich, dass verlorene Terrain zurück gewinnen zu können, denn mit der Wahl von Frost hatte sich die Gegenseite einen unterlegenden Partner erhofft, den sie rasch würde k.o. schlagen können, doch sollte dieser im Verlauf des Duells zu einem ebenbürtigen Kampfhund werden. Wie man aus der Geschichte weiß, endete dieser Schlagabtausch mit einem Sieg von Frost. Und mit einem Handschlag unter ebenbürtigen Gegnern. Der Ex-Präsident verlor alles, und doch wirkt er hier irgendwie erleichtert, als Frost und seine Gefährtin sich in Nixons Traumvilla in Kalifornien endgültig von "dem Golf spielenden Pensionär" verabschieden. Vielleicht war er letztendlich froh, von der Bürde der Lüge endlich entlastet worden zu sein. Jedenfalls bleibt er in der Gestalt Lechtenbrinks ein zwar politisch vernichteter Mann, aber ihm gehört nicht unsere Schadenfreude, sondern unser Mitleid und die nicht mehr zu beantwortende Frage, warum ein erfolgreicher Präsident zu derart üblen Mitteln greift, um an der Macht zu bleiben. Wohl eben deshalb. A.C. So spannend dieses wahre Stück TV-Geschichte auch ist, so erschreckend bleibt doch die Art und Weise , mit der die Medien als dritte Gewalt im Staat ihre Macht ausgeweitet haben und wohl zuweilen auch missbrauchen. Sie können vor einem Millionenpublikum den Täter wie den Tatverdächtigen zu völliger Selbstaufgabe zwingen können - nicht immer gelingt dies zwar, doch der Verdächtige bleibt immer das Opfer. Und der Journalist als Detektiv und Ankläger maßt sich zunehmend eine Kompetenz an, die zuweilen wohl über das Maß der Anständigkeit hinausgeht.
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