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Kaspar Häuser Meer
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Frustmonologe im Jugendamt
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Übernahme der Uraufführung des Theater Freiburg
Regie: Marcus Lobbes
mit: Rebecca Klingenberg, Bettina Grahs und Britta Hammelstein Kaspar Hauser
(angeblich geb.
30. April
1812, †
17. Dezember
1833 in
Ansbach) war ein
Findelkind ungeklärter Herkunft. Am 14. Dezember 1833 kam er mit einer schließlich tödlichen Stichwunde nach Hause. In beiden Fällen behauptete er, Opfer eines Attentäters geworden zu sein. Seine Anhänger vermuten ein politisch motiviertes Verbrechen; nach einer Gegenmeinung handelte es sich um Selbstverletzungen, die er sich vermutlich aus Enttäuschung über das nachlassende öffentliche Interesse an seiner Person beigebracht habe.
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Immer wieder präsentiert uns die Presse erschreckende und tragische Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Wir sind betroffen und entsetzt, doch wir können diese Schicksale nur ohnmächtig und hilflos zur Kenntnis nehmen, und sind umso fassungsloser als diese Familien und ihre Kinder dem Jugendamt oft seit vielen Jahren bekannt waren und von qualifizierten Sozialarbeitern betreut wurden. Ein junge Autorin, Felicia Zeller, hat sich dieses Themas angenommen und unter dem Titel "Kaspar Häuser Meer" einen Sprechtext für drei Schauspielerinnen geschrieben, die als Sozialarbeiterinnen unter ihrer Überforderung, zu viele Familien betreuen und gleichzeitig den bürokratischen Alltag bewältigen zu müssen, selbst schon am Rande ihrer physischen und psychischen Kraft sind. Kaspar Hauser ist in der Historie (s.n.) ein jahrelang eingesperrtes, vermutlich schwachsinniges Kind, das eines Tages mit den Realität des äußeren Lebens konfrontiert wird und an der kalten Sensationsgier der Menschen zerbricht. Ein Name für viele namenlose Kinder in unserer Gesellschaft, in der Familien am Rande ihrer geistigen Fähigkeiten und finanziellen Existenz leben und orientierungslos, ohne Maßstab, ohne Werte, ohne Moral und - oft auch unter wenig Beachtung ihrer Umgebung ein menschenunwürdiges Dasein führen. Im Maxim Gorki Theater hat Christoph Ernst eine nach vorne geöffnete enge grellgelbe Schachtel aufgestellt, in deren drei Wänden sich drei Sozialarbeiterinnen eines Jugendamtes unaufhörlich mit der Bewältigung schwieriger Familienschicksale abquälen und gegen Bürokratie, die eigenen schwindenden Kräfte und die mangelnde Unterstützung ihres Vorgesetzten kämpfen. Ein schwer erkrankter (burn-out-Syndrom) Kollege hat ihnen eine heillose Zettelwirtschaft hinterlassen, die jetzt aufgearbeitet werden müssen, und er hat, und das ist der Schwerpunkt dieser Erzählung, eine schwer sozial gestörte Familie betreut, jedoch leider - wohl in blindem Optimismus menschlicher und gesellschaftlicher Selbstheilungskräfte- einem äußeren Schein vertraut. Die Leiterin dieser
Amtsstelle, Barbara (Rebecca Klingenberg) ist sicht- und hörbar
überstrapaziert, rettet sich in 24stündige non-stop-Arbeit
und versucht, psychologisch nicht sehr geschickt, ihrer Kollegin Silvia
(Bettina Grahs) den bereits im übermäßigen Alkoholkonsum ertränkten
Stress abzunehmen. Was gründlich misslingt; denn diese routiert
gleichermaßen im täglichen Kampf um "ihre" Familien und um ihr eigenes einsames Überleben
in diesem zermürbenden Beruf. Auch die kleine Anika (Britta
Hammelstein), noch Anfängerin in diesem Job, ist bereits am Ende ihrer
Nerven, kann kaum selbst bewältigen, was sie für andere anstrebt: ihr
eigenes Kind liebevoll und geduldig zu erziehen.
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