Oscar Wilde - ein Rausch nach |
Voll daneben - doch tief getroffen
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Regie: Bruno Cathomas mit Die aus vielen Gerüstbögen bestehende Bühne nimmt den meisten Zuschauern die Sicht; die oft im Hintergrund sich abspielenden Szenen, die sich zudem sprachlich wirr und lautstark überschneiden, erschweren das Verstehen; die verwirrende, offenkundig konzeptionslose Inszenierung verärgert. Ein echter Flopp! |
Was hätte wohl Oscar Wilde zu dieser abstrusen Story gesagt, die sich das Maxim Gorki Theater nicht scheut, als neue Inszenierung herauszubringen? Als Poet hätte er vielleicht zuweilen hingehört, wenn einige Texte von ihm sogar einigermaßen verständlich an sein geneigtes Ohr gelangt wären vielleicht die von Monika Lennartz sehr innig gesprochene Parabel von der hochmütigen, "bedeutenden" Rakete? Bei seiner köstlichsten Komödie, nämlich "Bunbury," die hier zur Unkenntlichkeit als Klamotte verwurstet wird, hätte er als Gentleman wahrscheinlich nur irritiert eine Augenbraue hochgezogen, die Miene dabei von so unendlicher Blasiertheit, dass die Darsteller augenblicklich ihr tösendes Spektakel beendet hätten. Als Ästhet hätte er sich nur angewidert umgedreht, die blutige Schmiererei, die seine erotisch-psychoanalytisch gemalte Salome als blutrünstige Nymphomanin entstellt, einfach ignorierend; der Schöngeist in ihm wäre eventuell noch über die schnelle Vortragskunst der Protagonistin erstaunt gewesen, waren doch alles seine eigenen Worte, auch, wenn sie leicht sinnentstellt heruntergerappelt wurden. Und der Dandy Dorian Gray, sein liebstes Kind (und vielleicht sein alter ego)? An einige Gerüststangen gebunden, veralbert und grotesk in seiner nackten Dürrheit, kaum ein Vöglein, das, noch unreif, aus dem Nest gestürzt ist - das sollte Dorian Gray sein: der Narziss, dem durch einen Teufelspakt mit dem Maler seines Portraits ewige Jugend und Schönheit winkt - (nur das Bildnis, nicht aber er selbst wird altern)? Der Schöngeist Wilde hätte diese Szene nicht eines Blickes gewürdigt! Und ganz sicher hätte der Snob im Dichter es nicht zugelassen, dass Dorian Gray einem Tribunal dermaßen stockend und um Worte ringend gegenübergesessen hätte. Seine Gedanken und Formulierungen, sein Redefluss waren elegant wie er selbst, von ungemeiner Präzision, von Spott durchtränkt, von Wahrhaftigkeit geprägt. Dass seine Widersacher dabei vom Stuhl fielen oder sich sonst seltsam verrenkten, hätte ihm wohl gefallen - allein, auch dies Verhalten hätte er sicher als unwürdig für den gesellschaftlichen Rang eines Lords empfunden. Und das traurige Ende? Als
er zutiefst getroffen von den schmutzigen Aussagen zahlreicher Strichjungen sein Hafturteil
entgegen nehmen muss? An seinem eben noch herumalbernden Double
wäre er vielleicht sogar interessiert gewesen: wie es so dastand,
zusammengesunken, der Kopf eingezogen, die Arme und
Schultern herabhängend, das schöne Antlitz um Jahrzehnte gealtert, währenddessen die Strichjungen
das Äußerste an Unanständigkeit im Stakkato herausschreien. Das Maxim Gorki Theater hat ihn posthum noch einmal tief getroffen. A.C. |